5 Gründe, warum virtuelle Events die bessere Wahl sind

5 Gründe, warum virtuelle Events die bessere Wahl sind

Und wieder war mein Kalender im September voll mit Buchungen. Ich sollte eine Vielzahl von Events moderieren – in Präsenz natürlich. Doch nun, Ende August, kommen die Änderungswünsche rein. Einige der Events wurden ganz abgesagt, andere notdürftig ins Digitale verschoben und wieder andere sollen nun mit viel Abstand und gänzlich ohne agile Methoden stattfinden. Corona machte den Veranstaltungsplaner:innen einen Strich durch die Rechnung. Das ist sehr schade, weil es so nicht hätte sein müssen. Veranstaltungen, die von vornherein digital oder hybrid geplant werden, sind nämlich oft die besseren Events.

Hier sind fünf Gründe, wieso das so ist:

1. Echte Teilhabe wird ermöglicht
Als Mutter von zwei kleinen Kindern kann ich leider viel zu oft an Präsenz-Veranstaltungen nicht teilnehmen. Ich schätze deshalb die Möglichkeit, digital hinzuzustoßen. Dabei spare ich mir jede Menge Babysitter:innen und kann entspannt abends von zu Hause aus mitmachen, wenn meine Kinder schlafen.
Aber auch Menschen, die mit körperlichen Einschränkungen leben, können sich digital viel leichter zuschalten. Auch finanziell ist es günstiger, sich über ZOOM, Teams oder Webex einzuloggen, als das Zugticket nach Berlin zu finanzieren.
Wer Online-Events plant und anbietet, ermöglicht es viel mehr Interessierten, dabei zu sein – und wird natürlich auch von viel mehr Menschen gehört.

2. Die Zielgruppe wird vergrößert
Wer sich auf den Weg zu einem Veranstaltungsort macht, der muss schon großes Interesse an dem Event haben. Wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob das Thema mich absolut reizt, dann nehme ich den Aufwand nicht auf mich. Anders ist das bei digitalen Angeboten: Hier schalte ich mich schnell mal dazu und gucke dann, ob die Veranstalter:innen meine Aufmerksamkeit halten können oder nicht. Digitale Events bieten also ein großes Potenzial, um neue Menschen zu erreichen und von sich zu überzeugen.
Auch Ländergrenzen sind nun kein Problem mehr. Ich habe im vergangenen Jahr viele Veranstaltungen moderiert, bei denen sich Menschen aus den USA, der Türkei und sogar Gambia zugeschaltet haben. Ich wette, dass diese bei einem Event in Frankfurt oder Berlin nicht dabei gewesen wären.

3. Ressourcen werden geschont
Greenpeace hat eine Studie dazu veröffentlich, dass durch die Corona-Pandemie in den ersten Monaten tatsächlich weniger CO2 auf den Straßen ausgestoßen wurde. Und auch ich sehe in meinem Umfeld, dass immer weniger Menschen für jedes kleine Meeting mit Auto, Zug und Flugzeug durch die Gegend gefahren oder geflogen sind. Das schont Unmengen an Ressourcen! Wenn wir die Klimakrise angehen wollen, sollten wir uns über jede Reise doppelt Gedanken machen. Schön, wenn wir viele Menschen auch einfach digital erreichen können.

Auch finanzielle Ressourcen werden dadurch übrigens geschont: Sie sparen sich Räumlichkeiten, Reisekosten und Catering. Stattdessen sollten Sie in eine gute Moderation, die richtige Technik und ein passendes Care-Paket investieren – Sie werden trotzdem Gelder sparen.

4. Die pandemische Lage wird mitgedacht
Ich empfinde es als Risiko, eine Veranstaltung auf gut Glück rein analog zu planen. Es werden Gelder für Räumlichkeiten, Catering, Technik und Co ausgegeben. All das will geplant und finanziert werden. Und dann? Dann steigen plötzlich die Infektionszahlen wieder und Regelungen werden verschärft. Nun kann man natürlich auf Abstand und mit Maske auch Events durchführen, doch wird es hier sicherlich keinen gelungenen Austausch, ein entspanntes Kennenlernen und agile Methoden geben. Ich bin deshalb der Meinung: Planen Sie am besten gleich digital oder zu mindestens Hybrid. Dann gehen Sie auf Nummer sicher.

5. Methodische Vielfalt ist möglich
Wer jetzt denkt: „Oh nein, im Digitalen können wir uns nicht so gut austauschen und begegnen“, der täuscht sich gewaltig. Mit den richtigen Methoden und Tools sowie einer guten Moderation kann auch digital ganz menschlich und nah zusammengearbeitet werden. Ein paar Tipps finden Sie hier. Doch auch digitale Veranstaltungen benötigen die richtige Planung und zeitlichen Vorlauf.

Deshalb ist mein Tipp: Planen Sie gleich digital oder hybrid – Sie sorgen für niedrigschwellige Teilhabe, ermöglichen ortsunabhängige Mitmachoptionen und schonen Ressourcen!

 

Wieso ich Remote First arbeite – auch nach Corona

Wieso ich Remote First arbeite – auch nach Corona

 Ja, wir alle hoffen, dass wir uns bald wieder begegnen können. Uns allen fehlt die Umarmung von lieben Freunden, das Gespräch im Team, bei dem man sich sehen und die Atmosphäre spüren kann. Auch mir. Und trotzdem möchte ich mir die Vorteile der digitalen Kommunikation auch „nach Corona“ beibehalten.

Remote als Teil der Mobilitätswende

Greenpeace hat es durchgerechnet: Mehr Home Office bedeutet mehr Umweltschutz. Ein zusätzlicher Home Office-Tag kann in Deutschland 1,6 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen und die Verkehrsleistung des Pendelverkehrs um 10,9 Milliarden Personenkilometer reduzieren.
Dabei geht es nicht nur um das klassische Home Office, sondern um all die kleinen Termine, für die wir mal eben in die Bahn oder ins Auto steigen. Dabei muss das doch oft gar nicht sein: Viele – gerade kürzere – Besprechungen lassen sich wunderbar digital abhalten.

 

Remote als echter Zeitsparer

Ich liebe meinen Job und ich liebe meine Kund*innen. Am liebsten hätte ich noch viel mehr Zeit und Energie, um allen Anfragen gerecht zu werden und alle spannenden Projekte zu begleiten. Gleichzeitig liebe ich aber auch meine freie Zeit und die Zeit mit meiner Familie. Die Corona-Pandemie zeigte mir, wie viel produktiver wir arbeiten können, wenn wir uns das ewiges Hin- und Hergefahre sparen. Wenn ich nun einen zweistündigen Workshop gebe, dann bin ich dafür nicht einen halben oder sogar einen ganzen Tag unterwegs. Ich bin ausgeruhter und konzentrierter und kann manchmal sogar am gleichen Tag noch einen Workshop geben.

 

Remote als Kollaborationsanschub 

Es gibt so viele wunderbare Tools, mit denen wir digital zusammenarbeiten können. Durch die „plötzliche Digitalisierung“ im Rahmen von Corona, mit der sich einige soziale Organisationen konfrontiert sahen, haben viele Menschen sie erst in den vergangenen Monaten kennengelernt. Und doch merke ich, wie gut das Zusammenspiel mittlerweile funktioniert. Ich schätze es sehr, dass wir nun nicht mehr in ewig langen Meetings sitzen und uns im Kreise drehen, sondern konstruktiv mit guten Programmen zusammenarbeiten. Wir treffen uns digital, besprechen ein Thema und arbeiten dann getrennt voneinander weiter. Diese Blended Work fördert die Zusammenarbeit und sorgt dafür, dass wir auch die Stimmen von stilleren Menschen hören, die sich in normalen Meetings oft weniger melden.

 

Remote als Teilhabemotor

Ich habe in den vergangenen 12 Monaten viele Veranstaltungen digital moderiert, die ich in ähnlicher Form und mit gleicher Zielgruppe bereits analog moderiert hatte. Der große Unterschied: Es nahmen viel mehr Menschen daran teil. Besonders erinnere ich mich an ein Event, bei dem sich Menschen aus den USA und der Türkei zuschalteten. Sie wären in Berlin niemals dabei gewesen. Und auch ich kann an Abendveranstaltungen teilnehmen, für die ich sonst eine*n Babysitter*in gebraucht hätte. Jetzt kann ich beruhigt im Home Office sitzen, meine Kinder schlafen im Raum nebenan und ich nehme an Veranstaltungen in Berlin teil. Genauso höre ich von Bekannten, die im Rollstuhl sitzen, wie sehr sie es genießen, endlich überall dabei sein zu können. Diese Teilhabe für alle möchte ich erhalten.

 

Remote First – und manchmal auch vor Ort

Und ja, trotzdem freue ich mich natürlich, wenn ich wieder unter Menschen sein kann. Ich freue mich auf Podiumsdiskussionen, auf Messemoderationen und auf Teamveranstaltungen. Aber ausgewählt und bewusst. Denn eines ist mir 2020/21 klar geworden: Die meisten Workshops und Meetings funktionieren gut oder sogar besser digital.

Endlich nicht mehr allein: Vorteile kollegialer Beratung

Endlich nicht mehr allein: Vorteile kollegialer Beratung

Eine Konferenz muss digital stattfinden? Alle Mitarbeitenden sitzen im Home Office und die Zusammenarbeit soll trotzdem gut funktionieren? Es wird dringend eine neue Imagebroschüre benötigt, aber das Konzept fehlt? Und wäre Social Media eigentlich sinnvoll? Fragen über Fragen. Viel zu oft sitzen die Verantwortlichen für das Thema Kommunikation ganz alleine vor neuen Herausforderungen. Coaches und Freelancer*innen kommen regelmäßig vorbei und geben Workshops, aber langfristig müssen Entscheidungen intern getroffen und Routinen eingeübt werden. Und dabei fehlt es einfach an Menschen, mit denen man sich austauschen kann. Gerade im Rahmen der Digitalisierung und ganz besonders in Krisenzeiten erschwert das den Alltag und kostet viel Zeit und Ressourcen. Das muss so nicht sein. Denn überall verteilt sitzen Menschen in ähnlichen Situationen, die sich genau diesen Austausch wünschen. Das Zauberwort lautet: Kollegialer Austausch! 

Kollegialer Austausch über Institutions- und Organisationsgrenzen hinweg hat viele Vorteile:

  • Wer sich alles selbst erschließen muss und vor allen Herausforderungen alleine steht, verliert viel Zeit. Einfacher ist es, wenn man eine Gruppe hat, die man einfach fragen kann: Wie macht Ihr das? Wie seid Ihr mit dieser Herausforderung umgegangen? Durch eine Gruppe von Menschen mit einem ähnlichen Hintergrund wird der oder die Einzelne entlastet. Jede*r Einzelne gewinnt Anregungen und Handlungsoptionen.
  • Durch die Möglichkeit, schwierige Themen in kleiner Runde zu besprechen, kann ein globalerer und objektiver Blick auf diese Themen erreicht werden. Man wird souveräner und selbstsicherer und kann dadurch leichter neue Strategien umsetzen.
  • In einem klassischen Coaching entstehen Machthierarchien: Es gibt die wissende Person (Coach) und die lernende Person (Coachee). Wenn Kolleg*innen von- und miteinander lernen, dann entfällt diese Machtebene. Stattdessen findet ein Austausch auf Augenhöhe statt, der oftmals offener und produktiver stattfindet.
  • Im Rahmen kollegialer Beratung, die über das eigene Unternehmen oder die eigene Organisation hinaus geht, wird der Aufbau des beruflichen Netzwerks gefördert. Dies wirkt sich auch im Bereich Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit positiv aus.
  • Die Gruppe von Menschen mit einem ähnlichen und doch nicht gleichen Hintergrund kann „Fachblindheit“ verhindern. Lösungen können dadurch kreativer und unkonventioneller sein – und besser funktionieren!

Kollegialer Austausch mit erfahrener Begleitung

Wenn dieser Austausch mit Menschen auf Augenhöhe darüber hinaus noch moderiert wird und alle gemeinsam Neues lernen und an ähnlichen Themen arbeiten, dann entsteht häufig erstaunlich viel! 

Stellen Sie sich vor, Sie sind Teil einer kleinen Gruppe, die sich 12 Wochen lang dem Thema „digitale Kommunikation“ stellt. Jede einzelne Person arbeitet an einem Kommunikationskonzept für seine oder ihre Organisation. Alle lernen gemeinsam neue Tools und Methoden kennen, hinterfragen alte Vorgehensweisen und lernen voneinander. In einer LinkedIn-Gruppe können zu jeder Tages- und Nachtzeit Fragen gestellt und beantwortet werden. Und alle zwei Wochen gibt es über ZOOM einen gemeinsamen Austausch, um sich zu helfen, Mut zu machen und gemeinsam zu wachsen. Workshops zu den Themen interne und externe Kommunikation ergänzen den Lernprozess. Und Sie sind endlich nicht mehr alleine! Wie hört sich das an?

Wenn Sie Lust haben, dann kommen Sie doch in meine Kommunikationswerkstatt und sorgen Sie dafür, dass 2021 die Unsicherheiten im Bereich digitale Kommunikation endlich ein Ende haben! Hier finden Sie mehr Informationen dazu!  

Zwischen den Zeilen

Zwischen den Zeilen

Wie Achtsame Kommunikation zum Erfolg zivilgesellschaftlicher Initiativen beiträgt

Und wieder führte die erst angeregte Diskussion zu mehr Streit denn konstruktiver Einigung. Da kommen engagierte und motivierte Menschen zusammen, um gemeinsam in einem Projekt, einer Initiative oder sozialen Bewegung etwas Wesentliches zu verändern und was passiert? Zermürbendes Hin-und-Her und blockierende Dynamiken. Im besten Fall Missmut oder Frustration und im schlimmsten Falle eine Trennung des gemeinsamen Wirkens. Das ist nicht nur ärgerlich und enttäuschend, es macht traurig. Denn da ging es um etwas.

Eine neue Gesprächskultur wagen

Im Folgenden will ich den Ansatz vorstellen, wie Gewaltfreie Kommunikation den Bestand und Erfolg zivilgesellschaftlicher Initiativen unterstützen kann. Und – auch wenn es zunächst ungewöhnlich anmuten mag – inwiefern eine Kultur der Achtsamkeit für eine diskurs- und handlungsorientierte Zusammenarbeit sinnvoll ist.

Schlammschlacht-Dynamik oder rationale Debatten?

Zwischenmenschliche Konflikte gibt es einfach und sie machen auch vor gemeinnützigen Projekten und sozialen Bewegungen mit den engagiertesten Absichten nicht Halt. Die Frage ist vielmehr, wie man ihnen begegnet. Eine mehr oder weniger offen emotionale Schlammschlacht-Dynamik auf eine rationale Debattierebene zu heben funktioniert manchmal, aber nicht immer (und selten langfristig). 

Oftmals kommen Unstimmigkeiten in Prozessen der Entscheidungsfindung hervor, aber auch in inhaltlichen Diskussionen kann sich gerne mal eine Streitdynamik entwickeln, in der sich dann einfach die “stärkere”, lautere Person durchsetzt. Die Momente und Faktoren der eigenen Gruppe zu kennen, in denen es öfter hochkocht, hilft dabei, passende lösungsorientierte Alternativen zu finden.

Gesprächsführung geeignet strukturieren

Achtsame Kommunikation in NGOs

Im ersten Schritt ist zu überlegen, wie die Gesprächsführung anders strukturiert werden kann, um auch bei starken Kontroversen geordnete Diskussionen zu ermöglichen. Und um die einzelnen Stimmen ohne Hervorhebungen nebeneinander hören zu können (Stichwort Redegegenstand, Redezeit, Handzeichen, Moderation oder Ähnliches). 

Womöglich ließen sich auch die Abstimmungstools hinterfragen, um besser geeignete Alternativen zu finden. Meiner Erfahrung nach wirken auch Redekreise, also Besprechungen in Kreisform, erstaunlich anders als um einen Tisch oder in Reihen. Mit den Rahmenbedingungen lässt sich gut experimentieren, um herauszufinden, was die Gruppe braucht, um konstruktiv zusammenzuarbeiten. 

Worüber es sich (auch) zu sprechen lohnt

So wesentlich Rahmengebung und geeignete Tools sind, reichen diese Überlegungen manchmal nicht aus. Darüber hinaus stellt sich eine andere Frage: Worüber sprecht ihr genau, welche Ebenen der Zusammenarbeit werden tatsächlich adressiert, welchen allzu menschlichen Themen wird Raum eingeräumt und welchen nicht? 

Selbstredend steht im Kontext eines gemeinsamen sozialen Engagements für eine bestimmte Sache die Einigung über sachliche, Vernunft basierte, gar intellektuelle Argumente im Vordergrund. Für viele engagierte Aktivist*innen zeichnet sich politische Arbeit gerade durch Kopfarbeit und theorieorientierte Debatten aus. 

Mit Herzblut für die Sache

Das Wesen von Konflikten ist ja aber nicht nur, dass Vorstellungen, Strategien oder Ziele divergieren, sondern dass sie emotional sind. Und die Motivation, die hinter persönlichem Engagement steht, ist das tatsächlich zumeist auch. Hinter den Überzeugungen stehen Leidenschaften. Mit der Theorie ist die Begeisterung dafür verwebt. 

Und diese Dinge – zwischen den Zeilen – bleiben ausgespart. Die Herzensebene wirkt zwar banal und verletzlich, ist jedoch entscheidend. Und kaum artikuliert.

Jede*r Einzelne legt ihr oder sein Herzblut in die Sache, ist mit Passion und aus voller Überzeugung involviert. Eine Kränkung passiert dort auch leichter, wo diese ganz nah am Eigenen liegt; wo es darum geht, sich damit zu verwirklichen. 

Und ist es da nicht umso erstaunlicher, dass genau diese persönliche Involviertheit mit Wünschen, Bedürfnissen und Gefühlen kaum Worte finden? 

Als würden sie der Sache einen Abbruch tun. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Beachtete Emotionen befreien das Denken

Finden Emotionen und echte Bedürfnisse einen eigenverantwortlichen Ausdruck und bei den anderen Mitwirkenden Gehör, passiert etwas, das sich durchaus konstruktiv auf die weitere inhaltliche Zusammenarbeit auswirkt: 

Es klärt sich etwas. 

Knoten lösen sich, neue Perspektiven und ein anderes Verständnis der Dinge können entstehen. Allzumenschliche Empfindungen lassen sich tatsächlich leichter von der Sache unterscheiden, wenn sie direkt adressiert werden. Im besten Fall befreit es das gemeinsame Denken und gibt neue, wesentliche Impulse für weitere Aktivitäten.

Achtsamkeit ist politisch

Das Konzept der Achtsamkeit mag in diesem Kontext etwas ungewöhnlich anmuten. Meiner Erfahrung nach ist sie dabei weder unpolitisch, noch macht die Absicht der Wertfreiheit handlungsunfähig. 

Achtsame Kommunikation in zivilgesellschaftlichen Initiativen

Gerade in konflikthaften Situationen trägt eine innere Haltung von Offenheit, Unvoreingenommenheit, Aufmerksamkeit und Zugewandtheit dazu bei, der oder dem Anderen empathisch zu begegnen und damit im Gespräch zu bleiben. Manchmal braucht ein Gedanke Raum. 

Beides zu kennen ist wichtig, um bestmögliche Kompromisse, Lösungen und Einigungen zu schaffen.

Beides achtsam anzuerkennen gibt der gemeinsamen Handlungsfähigkeit neuen Antrieb, ohne dass Einzelne die eigene Position vernachlässigen müssten oder sich dazu gezwungen sähen, aus dem Projekt oder der Bewegung auszusteigen. 

 

Wie lässt sich das in der Praxis anwenden?

Egal, ob ein Projekt ganz am Anfang steht, oder ob es sich in einer konfliktbeladenen Krisensituation befindet: Setzt euch im Redekreis zusammen. Dabei geht es (noch) nicht um Inhalte, sondern um das jeweils persönliche und gemeinsame Wesentliche:

  • Was bringt dich zum Thema?
  • Was erwartest du dir von dem Projekt?
  • Was ist dir wichtig? 

Sich als Gruppe auf die gemeinsamen Werte und Visionen (Ziele) zu besinnen, ist weiterführend förderlich, um einer Sache wieder Aufwind zu geben. Erarbeitet diese gemeinsam, sollten sie noch nicht definiert worden sein. 

Dieser Fokus auf das Gemeinsame schafft in zerbrechlichen Situationen wieder Verbundenheit und Zusammenhalt über das Individuelle hinaus. Es stärkt die Motivation und schärft den Blick wofür man bereit ist, Kompromisse einzugehen.

Gewaltfreie Kommunikation beugt Konflikten vor

Das Modell der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) eignet sich dafür, euch – abseits der meinungsbildenden Debatte – achtsam über das persönliche emotionale Erleben in Bezug auf spezifische problemhafte Themen auszutauschen. Basis der GFK nach Marshall Rosenberg ist die oben erwähnte Empathie dem oder der Anderen gegenüber. Außerdem gilt es, eigenverantwortlich für eigene Gefühle, Bedürfnisse und Ich-Formulierungen zu bleiben. 

Das Modell besteht aus 4 Schritten:

Achtsame Kommunikation in Initiativen

  1. Beschreibe (wertfrei) eine konkrete Beobachtung (Sinneswahrnehmung), die dein Wohlbefinden beeinträchtigt. 
  2. Drücke dein Gefühl aus, das dadurch ausgelöst wird (Ich-Aussage).
  3. Benenne dein hinter dem Gefühl liegendes Bedürfnis (etwas, das du brauchst und unerfüllt ist; Ich-Aussage).
  4. Formuliere eine handlungsorientierte konkrete Bitte und beachte, dass die*der Andere frei ist, dies nicht zu erfüllen (es ist ein Wunsch, keine Forderung).

 

Anschließend kann die*der Andere in ebendieser Weise das Eigene ausdrücken. Eine Einigung gelingt somit durch ein besseres gegenseitiges Verständnis für das, was hinter saloppen Äußerungen, Handlungen und Verhaltensweisen liegt. 

Achtsame Kommunikation ist sicher kein Universalmittel. Aber ich bin überzeugt, dass sie es vermag, genauso im Kontext zivilgesellschaftlichen Engagements und sozialer Bewegungen Beziehungen positiv zu fördern. Denn gerade persönliche Verbundenheit schafft eine gelingende Zusammenarbeit und stärkeren Zusammenhalt für die gemeinsame Sache. Einen Versuch ist es wert.

Möchtest du noch genauer wissen, worauf es bei Achtsamer Kommunikation ankommt? Willst du für dich klären, wo du in Bezug auf das achtsame Kommunizieren stehst und wo du am besten ansetzen kannst, um Gespräche gewaltfrei verlaufen zu lassen? Dann hole dir direkt meine kostenfreie Infografik & Checkliste (PDF-Datei).


Anna Kromer

Mag.a Anna Kromer hat Medienwissenschaft studiert und ist als Kommunikationstrainerin und Coach in freier Praxis in Wien sowie online tätig. Sie begleitet Frauen* dabei, eigene Strategien zu entwickeln, um Konfliktmomente gut zu meistern. Schwerpunkte sind u. a. der Umgang mit Emotionen, die Lösung von Konfliktdynamiken und Entwicklung von Selbstsicherheit im Gespräch. Basis für ihre Arbeit ist die Gewaltfreie Kommunikation (n. M. Rosenberg).

Anna Kromer im Internet:
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Website

Nennt die Dinge beim Namen

Nennt die Dinge beim Namen

Wieso „Anti-Corona-Demos“ keine sind

In Zeiten, in denen Trauermärsche nach rechtsterroristischen Attentaten nicht stattfinden dürfen, schützt der Staat Demonstrationen sogenannter Covidioten. Was für ein Wort! Diese Menschen sind keine Idioten, sondern Demokratie gefährdende, mit Rechtsextremen verbündete Egoisten. Sie sagen, sie hätten Angst um ihre Freiheit und bringen dabei das Leben so vieler Menschen wissentlich in Gefahr.
Das Video einer gewissen Jana aus Kassel macht mich nicht nur sprachlos, sondern wütend. Sich mit Menschen wie Sophie Scholl und Anne Frank zu vergleichen, während man staatlich geschützt auf einer professionellen Bühne steht, obwohl man sich nicht an gesetzliche Regelungen hält, hinkt nicht einfach nur. Nein, es verharmlost den Holocaust.
2020 hat so einige Überraschungen für uns parat. Und vor allem zeigt es uns die hässliche Fratze rechter, verschwörungstheoretischer Strömungen, die leider und offensichtlich in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen sind. Das sind keine „Anti-Corona-Demos“, denn gegen Corona sind wir doch alle, oder?

Und dies ist keine Erbsenzählerei, denn das Wording ist wichtig! Lasst uns die Dinge beim Namen nennen!

Abstruse Verschwörungstheorien werden durch die Menschen und ihren Platz in den Medien salonfähig gemacht. Das sind keine Spinner, die wir weg lachen können, denn Ihr Einfluss auf die Gesellschaft und auf unser Denken ist einfach zu groß dafür. Sie befinden sich nicht am Rande, sondern in der Mitte unserer Gesellschaft. In Deutschland, den USA und in vielen anderen Ländern dieser Welt.

Durch Bezeichnungen wie „Anti-Corona-Demos“, „besorgte Bürger“ und „Covidioten“ verharmlosen wir Menschen, die sich offensichtlich gegen unsere demokratische Grundordnung stellen. Menschen, die unglaubliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit klein reden, von einer nicht vorhandenen Impflicht faseln und vor allem an eines denken: sich selbst. Es sind Menschen, die sich selbst vielleicht nicht als Rechtsextrem einstufen, jedoch kein Problem damit haben, fröhlich neben Hitlergruß-zeigenden Menschen zu demonstrieren.

Und was hat schon Martin Luther King, Jr. gesagt?

„He who passively accepts evil is as much involved in it as he who helps to perpetrate it. He who accepts evil without protesting against it is really cooperating with it.“
Martin Luther King, Jr.

Worte prägen unsere Wahrnehmung.
Bleibt nicht still, sondern nennt die Dinge beim Namen!

Von digitalen Weihnachtsfeiern und Besinnlichkeit übers Internet

Von digitalen Weihnachtsfeiern und Besinnlichkeit übers Internet

Teambildende Maßnahmen im digitalen Kontext

Der Dezember steht vor der Tür und somit auch viele Weihnachtsfeiern. Doch dieses Jahr wird alles anders sein. Ein „Lockdown Light“ fordert uns alle heraus und sorgt dafür, dass wir das Jahresende nicht gemeinsam feiern können. Zwar sinkt damit das Risiko, sich auf der Betriebsweihnachtsfeier zu blamieren, jedoch wird vielen von uns der zwischenmenschliche Kontakt in der Adventszeit besonders fehlen – ganz unabhängig davon, ob wir christlichen Glaubens sind, oder nicht. Wie können wir es schaffen, trotz räumlicher Distanz zusammen zu feiern?

Ich garantiere Ihnen, dass wir auch digital eine gute Zeit zusammen verbringen können. Mit ein bisschen Kreativität und dem Interesse an Neuem kann diese Krise sogar eine Chance sein und uns ganz besondere Moment schenken.

Lassen Sie sich von zehn Methoden inspirieren, die Ihnen zeigen, wie Sie teambildende Maßnahmen auch in Online-Konferenzen, Calls und Meetings umsetzen können – und das auch über die Weihnachtszeit hinaus!

Laden Sie sich hier meine kostenlose Methoden-Liste herunter und planen Sie die Jahresendfeier für Ihren Verein oder Ihre Institution mal ganz anders!

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10 IDEEN FÜR TEAMBILDENDE MASSNAHMEN IN ONLINE-KONFERENZEN

Nach Angabe Ihrer Mailadressen bekommen Sie das PDF kostenfrei zugeschickt!

Wir verwenden Sendinblue als unsere Marketing-Plattform. Wenn Sie das Formular ausfüllen und absenden, bestätigen Sie, dass die von Ihnen angegebenen Informationen an Sendinblue zur Bearbeitung gemäß den Nutzungsbedingungen übertragen werden.

Suchen Sie noch nach mehr Sicherheit im Umgang mit digitaler Kommunikation? Wollen Sie mehr Menschlichkeit und Nähe in Ihre Online-Konferenzen bringen?

Das ist zum Glück kein Hexenwerk! Ganz egal, ob Sie schon ein wenig Erfahrung im digitalen Raum mitbringen oder sich momentan mit all den Möglichkeiten noch etwas überfordert fühlen: Sie können das lernen! Gerne begleite ich Sie dabei!

Hier erfahren Sie mehr zu meinem Angebot!

Dinge, die die Welt nicht braucht. Oder: Was ist nachhaltiger Konsum?

Dinge, die die Welt nicht braucht. Oder: Was ist nachhaltiger Konsum?

Wir leben über unsere Verhältnisse. Die menschliche Nachfrage nach den irdischen Ressourcen übersteigt das Angebot. Diese Übernutzung hat bekannte Folgen: abgeholzte Regenwälder, Verschmutzung von Böden und Gewässern, dezimierte Fischbestände und Artenvielfalt sowie Wasserknappheit in vielen Ländern. Insbesondere reiche Länder sind für Klimakatastrophen und Armut verantwortlich. Durch die globale Beschaffenheit von Lieferketten beziehungsweise Wertschöpfungsketten wirkt sich unser Konsum im Globalen Norden auch auf Menschen und Ökologie im Globalen Süden aus. Ein neues T-Shirt für 5 €, neue Sneaker für 30 €? Nehmen wir! Auf Kosten anderer!

Glückshormone beim Konsum

„Leider“ begeistert uns Einkaufen kurzfristig, setzt sogar Glücksstoffe frei und macht somit Spaß. Das Belohnungssystem wird angeregt und wir sind zufrieden. Doch was passiert langfristig? 
Nachhaltig glücklich macht materieller Konsum nicht. Wir vergleichen uns mit anderen. Dadurch entsteht Neid und daraus schließlich Konkurrenzdruck. Werbung, Social Media und der Kapitalismus wecken ständig neue Bedürfnisse. Uns wird signalisiert, wenn wir so aussehen, wenn wir das neue Handy haben, dann sind wir vollkommen zufrieden. Wir generieren soziale Anerkennung durch sozialen Status. Wir versprechen uns bewusst und unbewusst Zugehörigkeit, Anerkennung oder Abgrenzung. Wir sind in einer Gesellschaft aufgewachsen, in welcher wir durch Besitz und Geld unseren Wohlstand zur Schau stellen. 

Die Hypothese: Erfolg = Geld = Besitz = Glück!

So kann jeder sehen, was für erfolgreiche Menschen wir doch sind.

Was bedeutet nachhaltiger Konsum?

In Abgrenzung dazu wird immer mehr zu nachhaltigem Konsum aufgerufen. Insbesondere bedeutet das, dass wir bewusst konsumieren. Nicht aus Langeweile, als Aufmunterung oder aufgrund von Schnäppchen oder Angeboten, sondern nur aus dem wirklichen Bedürfnis heraus, dass wir die Winterschuhe, das Tablet oder den Kochtopf wirklich brauchen. Natürlich lässt sich das auf jeglichen Bereich ausweiten. Müssen wir sieben Mal die Woche und am besten noch morgens, mittags und abends Fleisch zu uns nehmen? Klares Nein. Das schadet nicht nur der Umwelt, den Tieren, sondern auch uns und unserer Gesundheit. Ok, also kaufen wir fair, biologisch, saisonal und regional und möglichst gebrauchte Dinge in Second-Hand-Läden ein, dann ist doch alles in Ordnung.

Wirklich?

Bewusster Verzicht: Brauche ich das? 

Fest steht: Wir dürfen nicht so weiter machen wie bisher. Wir sollten bewusst konsumieren und insgesamt weniger verbrauchen. Das gilt auch für nachhaltig produzierte Güter! Sind die Winterschuhe vom letzten Jahr noch gut? Oder benötigen sie nur eine neue Sohle? Davon mal abgesehen, dass es auch eine Kostenfrage ist – wie wäre es, wenn wir lieber ausgesuchte, qualitativ hochwertige, anstatt viele günstige und billig produzierte Gegenstände hätten? Und noch eine andere Frage: Müssen wir all die Teile, die wir auch nur ein paar Mal im Jahr benötigen, auch besitzen? Ist es wirklich nötig, dass mein Bücherregal voll ist mit tollen Büchern, die ich allerdings zugegebenermaßen maximal zweimal lese? Eine Anmeldung in der Bücherei wäre sicher sinnvoller! Insbesondere solche Dinge, von denen wir nicht mal wissen, dass sie sich in unserem Besitz befinden, werden wir nicht vermissen. Und auch das kann ich nicht über alle meine Bücher sagen…

Wer weniger besitzt, hat mehr Platz, Zeit und auch Geld! Nicht umsonst ist Minimalismus in aller Munde. Welche Dinge sind überflüssig? Dieses Bewusstsein ist der ständige Begleiter.

Menschen in einem Einkaufszentrum. PC: Steve Buissinne auf Pixabay

Die Dinge, die wir wirklich mögen, behalten wir, die anderen kommen weg. Und ja, es geht um wirklich jeden Gegenstand. Töpfe, Stifte, Handtücher. Wir sollten uns jeden einzelnen Gegenstand anschauen und uns genau diese Frage stellen. Um nicht wieder Unmengen neuer Dinge anzuhäufen, kann man eine simple Regel anwenden: Kommt ein neues Teil, muss ein altes gehen.

Wohin mit den Dingen?

Und was mache ich dann mit dem ganzen Zeug? Nur in den seltensten Fällen ist die Mülltonne der richtige Weg. Hier ein paar Ideen:

  • Gibt es Verschenkläden, Sozialkaufhäuser oder Ähnliches in deiner Nähe? Häufig können selbst Dekomaterialien, Bücher und DVDs weggebracht und manchmal auch abgeholt werden.
  • Facebook-Gruppen, um Dinge zu verschenken, gibt es auch fast in jeder Stadt. 
  • Auch Flohmärkte, Kleiderkreisel oder Ebay-Kleinanzeigen sind gute Möglichkeiten. Informiere Dich, wie Deine Stadt aufgestellt ist!
  • Wichtig ist es auch, sich zu informieren, wo zum Beispiel defekte Elektrogeräte fachgerecht entsorgt werden, damit die wichtigen Rohstoffe noch weiter genutzt werden können.

Wie bleibe ich bei dem Lebensstil?

Es gibt tolle Möglichkeiten, weiterhin ein gutes Leben zu führen. Inzwischen gibt es viele Sharing-Communities oder auch Angebote in Geschäften. Es gibt Carsharing oder die geliehene Bohrmaschine von der Nachbarin, dem Vater oder aus dem Baumarkt. An Möglichkeiten mangelt es nicht. 

Haben das Lieblings-T-Shirt, die schöne graue Hose und das Paar Schuhe ein Loch? Ab zum Fachgeschäft, welches gerne repariert. Oder Du nähst es selbst.

Zudem gibt es in vielen Städten Repair-Cafés sowie spezielle Reparaturwerkstätten für beispielsweise Fahrräder, Computer oder Lampen. Dort findet man nicht nur das nötige Werkzeug, günstige Ersatzteile, sondern auch noch eine Beratung oder mündliche Anleitung obendrauf. So lernst du sogar noch neue Menschen kennen. Du bist kein „Menschentyp“? Youtube ist voll mit Reparaturanleitungen aller Art. 

Der Gewinn

Wir können unsere Zeit nicht vermehren, nur verdichten. Daraus resultiert ein Beschleunigungszwang, die Zeit vergeht schneller und ist knapper. Also lasst uns unsere kostbare Zeit nutzen und mehr Dinge mit unserer Familie und unseren Freunden machen. Lasst uns Geld in Erlebnisse investieren, denn nur die machen nachhaltig glücklich. 

Ein weiterer Gewinn: weniger Sorgen. Wer weniger hat, kann weniger verlieren. Wir müssen uns nicht um unser Auto sorgen, gegen das Chaos ankämpfen und sind freier. 

Und bringt genau das nicht Glück und Zufriedenheit? 


Quellen

  • WWF International (2014): Living Planet Report 2014- Kurzfassung.
  • Paech, N. (2019): Befreiung vom Überfluss-Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, 11. Aufl., oekom verlag: München

Über die Autorin

Iris Büßelmann ist Ökotrophologin, Masterstudentin im Fachbereich Ernährungs- und Verbraucherökonomie und Hebamme. Sie engagiert sich für einen bewussten und fairen Umgang mit unserer Umwelt. Nachhaltige Ernährung ist ihre Herzensangelegenheit. Seit April 2020 unterstützt sie Merle Becker bei Wertschatz Kommunikation.

5 Gründe, warum virtuelle Events die bessere Wahl sind

3 Tipps für eine menschliche, entspannte und effektive Online-Konferenz

Das Jahr 2020 bedeutet für viele Menschen die plötzliche Verschiebung von Kommunikation ins Digitale. Ob Teammeeting, Konferenzen oder Beratungssituationen – alles passiert plötzlich über ZOOM, Teams, GoToMeeting und Co. Was von vielen Menschen aus dem sozialen Sektor mit Sorge und Ängsten betrachtet wird, ist eigentlich eine riesen Chance. Und mit ein bisschen Vorbereitung auch gar kein Hexenwerk!

Gestern war es wieder soweit: Ich durfte eine Gruppe Hauptamtlicher im sozialen Bereich einer Kommune dabei begleiten, ihre interne und externe Kommunikation digitaler aufzustellen. Vor allem ging es darum, Videokonferenzen, digitale Workshops und online Beratungssituationen besser aufzusetzen und sich dabei sicherer zu fühlen. Denn wer so etwas organisiert, sollte dies entspannt und sicher tun können. Das wird sich dann auch auf die Teilnehmenden spiegeln. Es geht also immer um menschliche Nähe.

In meinen Workshops und Kursen sehe ich immer wieder, wie anstrengend der Schritt ins Digitale für viele Menschen aus dem sozialen Sektor ist. Dabei kann es auch so leicht sein! Heute teile ich mit Ihnen drei Tipps, die sich als besonders effektiv herausgestellt haben:

  1. Üben, üben, üben
    Egal, welches Tool Sie nutzen, Sie sollten sich damit sicher fühlen und technisch entspannt in das Gespräch gehen. Fragen Sie Ihre Kolleg*innen vorher, ob sie mit Euch Probedurchläufe machen. Sprechen Sie mit Familienmitgliedern und testen Sie, ob sie alle wichtigen Funktionen auch solchen Menschen erklären können, die das Tool bisher nicht kennen. Bestenfalls suchen Sie sich Tester*innen, die Ihrer Zielgruppe ähneln – zu mindestens in puncto Digitalaffinität.
  2. Klasse statt Masse
    Wer einmal seine Suchmaschine benutzt, wird schnell auf Abertausende von spannenden Programmen stoßen, die uns versprechen, die digitale Kommunikation zu erleichtern. Kommen Sie nicht in Versuchung, Ihre Meetings nun mit möglichst vielen verschiedenen Tools auszuschmücken, sondern denken Sie zielgruppenbezogen: Was können Sie Ihren Teilnehmenden denn zutrauen? Was hilft? Was lenkt eher vom Inhalt ab?
    Nutzen Sie nicht zu viele verschiedene Tools. Manchmal reicht das eine Videokonferenz-Tool vollkommen aus. Gerade digital wenig affine Zielgruppen sind sonst überfordert und springen schnell ab.
  3. Analoge Methoden übersetzen 
    Nicht alles, was in einer digitalen Konferenz, in einem Online-Workshop oder Seminar passiert, muss auch digital sein. Wenn Sie Erfahrung in der Gestaltung von analogen Veranstaltungen haben, dann kann Ihnen das schon sehr helfen. Stellen Sie sich die Frage, wie Sie es analog gemacht hätten – mit Arbeitsblättern? Mit Flipcharts? 
    Machen Sie sich das Leben nicht zu schwer, vieles lässt sich sehr leicht ins Digitale übersetzen. Und für kognitive Erholungspausen kann es auch durchaus hilfreich sein, wenn die Teilnehmenden ab und zu auf einem echten Blatt Papier schreiben oder malen. Zum Glück haben wir dann ja Kameras und weitere Möglichkeiten, analoge Resultate zu teilen.

Ich konnte dieses Jahr schon so vielen Mitarbeitenden aus NGOs, Stiftungen, Vereinen und Kommunen helfen, den Schritt in die digitale Kommunikation zu wagen. Was für eine schöne Aufgabe! Nicht sonderlich überraschend stieg 2020 die Nachfrage nach Online-Workshops zum Thema digitale Kommunikation rasant an. Um all den Nachfragen gerecht zu werden, biete ich nun meine besten Tipps und Tricks als ausführliches Online-Seminar an. Für Sie bringt das nur Vorteile mit sich:

  • Sie können lernen, wann und wo Sie wollen
  • Sie bekommen nicht nur kompakte Erklärvideos in über 20 Lektionen, sondern auch passendes Begleitmaterial
  • Sie können sich alle Videos, Übungen, Vorlagen und Checklisten so oft ansehen, wie Sie es brauchen
  • Sie haben die Möglichkeit, einige kostenpflichtige Tools auch einfach mal kostenfrei auszuprobieren
  • In meiner Sprechstunde bin ich trotzdem noch persönlich für Sie da und beantworte Ihnen alle weiteren Fragen über ZOOM.

Das klingt gut für Sie? Dann freue ich mich sehr, wenn ich Sie in meinem Online-Kurs begrüßen darf!

Sie haben noch Fragen dazu? Dann melden Sie sich gerne per Mail bei mir und ich bin für Sie da!

In 14 Schritten zum perfekten digitalen Meeting

In 14 Schritten zum perfekten digitalen Meeting

Das Jahr 2020 brachte uns nicht nur einen trockenen, heißen Sommer, sondern für viele Menschen auch einen Sprung ins kalte Wasser: Plötzlich müssen wir alle digital kommunizieren. Und schnell zeigte sich: Steife Nacken, unkonzentrierte Zuhörende und sich ewig in die Länge ziehende Monologe sind in Online-Konferenzen leider keine Seltenheit. Doch das muss so nicht sein! Der digitale Raum gibt uns wunderbare Möglichkeiten, inklusiv, ressourcenschonend und menschlich nah zu kommunizieren. Ich zeige Ihnen, wie!

Bevor ich meine Erfahrungen mit Ihnen teile, möchte ich Sie auf ein kleines Gedankenexperiment mitnehmen. Mit der folgenden Übung (per PDF herunterladbar), können Sie für sich selbst herausfinden, was ein gutes Meeting für Sie ausmacht und was Ihnen oftmals fehlt.

In 14 Schritten zum perfekten digitalen Meeting

Finden Sie heraus, was ein gutes digitales Meeting für Sie ausmacht! Wenn Sie hier Ihren Namen und Ihre Mailadresse eingeben, können Sie kostenfrei ein Übungsblatt dafür herunterladen!

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Die Übung für ein perfektes digitales Meeting

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Auch ich habe mir viel Gedanken dazu gemacht, was ein wirklich gutes Meeting ausmacht. Mit den folgenden Schritten weise ich Ihnen den Weg hin zu einem perfekten digitalen Meeting.

Eine richtig gute Online-Konferenz

Meine Erfahrung zeigt, dass Folgendes beachtet werden sollte:

  1. Ein*e Moderator*in führt bestenfalls durch das Meeting/ den Call/ den Workshop – und ist weder Chef*in, noch Input-Geber*in. 
  2. Alle Teilnehmenden wissen, was die Ziele des Treffens sind und wie viel Zeit sie investieren werden 
  3. Es sind nur Menschen anwesend, die auch wirklich für das Treffen benötigt werden. 
  4. Die Gruppengröße wird so begrenzt, dass das benötigte Level der Interaktivität gewährleistet wird. 
  5. Es gibt eine Aufwärmphase, in der alle Anwesenden ankommen, sich austauschen, ihre Technik testen und sanft ins Thema geleitet werden. Hierfür wird ausreichend Zeit eingeräumt. 
  6. Alle Personen kommen zu Wort. Sie werden aktiv dabei unterstützt, mitzureden. 
  7. Fragen sind immer willkommen. 
  8. Niemand wird unterbrochen. 
  9. Alle konzentrieren sich in dem besprochenen Zeitraum auf das Thema. Mails werden nicht nebenher gelesen. Handys sind auf lautlos. 
  10. Ausreichende, regelmäßige Pausen werden gut eingeleitet und bestenfalls gemeinsam durchgeführt.
  11. Ein*e Protokollant*in schreibt mit (bestenfalls einsehbar) und teil das Protokoll im Anschluss. 
  12. Jede*r Teilnehmende geht am Ende mit eigenen To-Dos aus der Veranstaltung, die auch zeitlich eingegrenzt sind. 
  13. Die Teilnehmenden freuen sich auf die Bearbeitung der To-Dos und fühlen sich bestärkt statt erschlagen. 
  14. In einer Abschlussphase wird alles Besprochene nochmal zusammengefasst, es gibt ein abschließendes Blitzlicht und genug Raum für Small-Talk und Abschied. Hierfür wird ausreichend Zeit eingeräumt. 

Klingt gut? Ist es auch! Klingt unmöglich? Das ist es nicht!

Wie gestalte ich ein gutes digitales Meeting?

In 14 Schritten zum perfekten digitalen Meeting

Aber jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie Sie all dies erreichen sollen. Wie schaffen Sie Interaktivität? Welche Rolle übernimmt die Moderation überhaupt? Wie kann ein Protokoll gestaltet werden, damit alle Teilnehmenden direkt Einsicht habe und vielleicht sogar mitschreiben können? Wie kann eine Aufwärmphase bestmöglich gestaltet werden? Und wie um alles in der Welt schafft man menschliche Nähe, wenn man vor einem Bildschirm sitzt?

Das alles ist zum Glück kein Hexenwerk! Ganz egal, ob Sie schon ein wenig Erfahrung im digitalen Raum mitbringen oder sich momentan mit all den Möglichkeiten noch etwas überfordert fühlen: Sie können das lernen! Gerne begleite ich Sie dabei!

Lernen Sie das „Wie“ in einem Kurs, der wie für Sie gemacht ist

In meinem Online-Kurs „Digitale Kommunikation und Moderation – menschlich und nah“ lernen Sie wann und wo Sie wollen in Ihrer eigenen Geschwindigkeit die wichtigsten Tipps und Tricks, um die kommenden Online-Konferenzen souverän, entspannt und herzlich leiten zu können. Sie können produktiver, menschlicher und zeitsparender zusammenarbeiten.

Lernen Sie ganz so, wie Sie es brauchen:

  • zeitlich und örtlich flexibel
    Sie haben unbegrenzten Zugriff auf alle Lernmaterialen und können sich diesen widmen, wann und wo immer es Ihnen gerade passt. Und wenn Sie sich eine Lektion mehrmals ansehen möchten, können Sie das selbstverständlich machen.
  • mit eigenen Schwerpunkten
    Vielleicht bringen Sie schon ein wenig Erfahrung mit, vielleicht stehen Sie ganz am Anfang. Setzen Sie Ihre Schwerpunkte einfach selbst und überspringen Sie Themen, mit denen Sie bereits vertraut sind! 
  • vollkommen entspannt
    Nicht nur der digitale Kurs ist entspannt gestaltet, sondern auch Sie werden lernen, sich im digitalen Raum entspannter zu bewegen. Sie werden verschiedene Methoden und Tools kennenlernen sowie Moderationstechniken verinnerlichen. Und wenn Sie entspannt sind, dann werden es die Teilnehmenden Ihres nächsten Meetings auch sein!
  • mit Begleitmaterial
    Übungen und Erklärvideos werden in über 20 Lektionen und vier Modulen durch Vorlagen und Checklisten ergänzt.
  • persönlich
    Keine Sorge, ich lasse Sie mit all dem neuen Wissen nicht allein! Sie können sich als Kursteilnehmer*in jederzeit kostenlos in meine Sprechstunde über ZOOM einbuchen. Dort stehe ich Ihnen regelmäßig für Fragen zur Verfügung und schaue mir gemeinsam mit Ihnen Ihre aktuellen Herausforderungen an.

Das klingt gut für Sie? Dann freue ich mich sehr, wenn ich Sie in meinem Online-Kurs begrüßen darf!

Sie haben noch Fragen dazu? Dann melden Sie sich gerne per Mail bei mir und ich bin für Sie da!

Der Online-Kurs für digitale Kommunikation und Moderation
Meine 4 Tipps für einen nachhaltigeren Instagram-Feed

Meine 4 Tipps für einen nachhaltigeren Instagram-Feed

Instagram ist nur noch eine reine Verkaufsplattform von Fast-Fashion-, Fitness- und Mama-Blogger*innen? Mitnichten! Ich ziehe viel Inspiration, Energie und Motivation aus meinem Instagram-Feed und möchte meine liebsten vier Profile an dieser Stelle gerne vorstellen.

Von Fast-Fashion zu echter Nachhaltigkeit und Achtsamkeit

Madeleine Daria Alizadeh setzt sich für mehr Nachhaltigkeit in der Modeindustrie ein und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Unter dem Namen @dariadaria gibt sie amüsante Einblicke in ihr Privatleben und zeigt auch offen, wenn sie in Punkto Nachhaltigkeit selbst an ihre Grenzen kommt. Außerdem spricht sie auch andere politische Themen an, wie etwa Gleichberechtigung und Tierschutz. Mit ihrem Buch „Starkes weiches Herz: Wie Mut und Liebe unsere Welt verändern können“ darf sie sich nun auch erfolgreiche Autorin nennen (und das Buch wurde auf Apfelpapier gedruckt, weil dies nachhaltiger ist!). Außerdem betreibt sie den Podcast „A mindful mess“, mit welchem sie auch zur Meditation inspiriert.
Wer Lust hat auf lustige, leichte Storys in Verbindung mit ernsthaften Themen ist bei Madeleine auf jeden Fall richtig aufgehoben.

https://www.instagram.com/p/CCawEHmnWDf/

Umweltgerechtigkeit, Mode, Frauenrechte und Hühner

Jeanne de Kroon (@jeannedekroon) hat mit ZAZI VINTAGE ein äußerst spannendes Social Business die Beine gestellt. Sie designt schönste Mäntel und Kleider, unterstützt damit Frauen aus aller Welt, gibt uralte Traditionen und Wissen weiter und setzt sich für Fair Fashion ein. Jeanne hat dabei selbst die Ausstrahlung eines Supermodels und schafft es mit Spiritualität und guter Laune auch schwierige Themen leicht zu vermitteln – in Englisch, Niederländisch und Deutsch.
Und wer sich für schöne Hausboote oder Hühner interessiert, darf ihre Storys sowieso nicht verpassen!

https://www.instagram.com/p/CDYbJzNn_HT/

Von Make-Up-Tutorials, über MTV zur Top 30 unter 30 Journalistin

Aminata Belli (@aminatabelli) wuchs in einer Hamburger Schaustellerfamilie auf, studierte Modejournalismus und startete als Teenagerin einen eigenen YouTube-Kanal mit Schminktipps und Fashion-Hauls. Im Laufe der Jahre änderte sich jedoch ihr Fokus und heute findet man auf dem Instagram-Kanal der Moderatorin vermehrt politische Themen zum Thema Anti-Rassismus, Wahlen und Gleichberechtigung.
Kein Wunder: Auch beruflich steht sie mittlerweile nicht mehr nur vor ihrer eigenen Kamera im Kinderzimmer, sondern moderiert für FUNK, MTV, Arte, ZDF und Co.
2019 wurde sie vom Medium Magazin unter die TOP 30 Journalistinnen unter 30 gewählt. Wer gerne Menschen zuhört, die ihr Herz auf der Zunge tragen und gesellschaftliche Themen geschickt mit dem Alltag verbinden, ist bei Aminata richtig.

https://www.instagram.com/p/CDlHAT5HgGM/

Introvertierte Veganerin mit einem Hang zu Hunden

Wer Tipps und Tricks für einen nachhaltigeren Alltag sucht, ist bei @hellopippa gut aufgehoben. Sie zeigt, dass man auch auf Reisen eine vegane Ernährung verfolgen kann und spricht herrlich unverfroren über Themen wie die Periode oder Introvertiertheit. Außerdem reist sie mit Ihrem Mann, ihren Hunden und ihrem Van durch die Gegend und gibt einem das Gefühl, selbst ein bisschen Freiheit zu genießen.

https://www.instagram.com/p/CDs7NR6Dtn1/

Wem sollte ich sonst noch unbedingt folgen? Ich freue mich immer über Tipps!

Wir und die Anderen. Oder: Was ist ein Leben Wert?

Wir und die Anderen. Oder: Was ist ein Leben Wert?

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„A river of blood in the streets 
No love in the streets 
And then came silence in the city that day 
They say 
‚Just another one gone‘ 
And they tell her
‚Move on‘“
 – Alicia Keys

In den vergangenen Wochen und Monaten ging es in unserem Alltag um den Schutz von Menschenleben: Haltet Abstand! Kauft für ältere Nachbarinnen und Nachbarn ein. Lasst die Desinfektionsmittel den Menschen, die sie wirklich brauchen. Und vor allem: Tragt Masken! Damit schützt Ihr euch zwar nicht selbst, aber die anderen. Falls ihr das Virus in euch tragt, ohne es zu wissen. Schützt eure Mitmenschen! Schützt die Alten, die Kranken, die Schwachen!

Wir sind doch gute Menschen

Und natürlich tun wir das. Wir wollen doch nicht schuld sein an Leid, Tod und Krankheit. Wir sind doch gute Menschen. Wir halten uns im Supermarkt an die Bodenmarkierung, desinfizieren uns die Hände am Eingang und verzichten sogar auf den nächsten Stadionbesuch. 

Anders als die Menschen auf der anderen Seite des großen Sees. Dort, wo Menschen mit dunkler Hautfarbe auf öffentlicher Straße von öffentlichen Stellen getötet werden. Dort, wo Rassismus immer noch auf der Tagesordnung steht. Wir schütteln unsere Köpfe. Wir teilen Instagram-Posts mit #BlackLivesMatter und #SayTheirNames. Wir nehmen teil am #BlackOutTuesday.

Wir sehen mit Entsetzen, wie der Präsident des besagten Landes die Corona-Krise vollkommen ausblendet und stattdessen die Protestant*innen der Black Lives Matter-Bewegung als „wütenden Mob“ bezeichnet, der „unsere Geschichte auslöscht“. Wir können es nicht fassen, dass er sagt: „Sie wollen uns zum Schweigen bringen, aber wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen“.

„Carrying signs in the streets 
Crying eyes in the street 
But they heard nothing from the city that day 

They say 
‚Just another one gone‘ 
And the city moves on“
– Alicia Keys

Ach ja, Flüchtlinge gab es ja auch noch

Und dann sind wir wieder zu Hause in unseren eigenen vier Wänden, waschen unseren Mund-Nasen-Schutz bei 60 Grad und wundern uns über die Arbeitsbedingungen bei Tönnies, bevor wir unsere Tiefkühl-Pizza mit Salami in den Ofen schieben. Das haben wir uns jetzt auch verdient. 

Uns schaudert es kurz, wenn wir in der Tagesschau sehen, dass es auf der Ocean Vikings Selbstmord-Versuche gab. Ach ja, Flüchtlinge, die gab es ja auch noch. Menschen, die Schlimmstes erlebt haben, sind auf einem Schiff zusammengekarrt. Das böse Malta und das böse Italien wollen sie ja nicht aufnehmen. Hat mit uns zum Glück nichts zu tun. Wir würden sie ja aufnehmen. Dieses Sterben an den EU-Außengrenzen ist schon schlimm. Immer wieder hören wir neue Zahlen. Aber die Griechen, die planen eine drei Kilometer lange Barriere in der Ägäis, um Menschen in Not davon abzuhalten, die Insel Lesbos zu erreichen. Unfassbar. Vielleicht unterschreiben wir gleich noch eine Petition.

Zum Glück machen wir das besser.

Und wir sind natürlich Pro-Europa. Seit über 70 Jahren haben wir in Westeuropa Frieden. Das ist in der Geschichte einmalig. Darauf sind wir stolz. Wir reißen Mauern schließlich ein, statt sie zu bauen. Wenn Corona nicht wäre, dann säßen wir jetzt wohl wieder im Auto Richtung Paris, Amsterdam oder Rom. Ganz ohne nerviges Geldumtauschen und Grenzkontrollen. Aber ja, die Corona-Krise macht diesen Sommer etwas komplizierter. 

Puh… aber jetzt gerade brauchen wir mal eine Auszeit von den schlechten Nachrichten. Das haben wir uns nach all den Instagram-Stories und Twitter-Retweets auch mal verdient. Da gucken wir uns auf Netflix lieber noch mal eine Folge von „The Fresh Prince of Bel Air“ an, wir mögen ja die Black Community. 

„Another dream lost
Another king and queen lost
Another broken promise they refuse to make right 
Another night to live in fear

Another night that you’re not here
Another reason to get out there and fight“
– Alicia Keys

Hier könnt Ihr für SOS MEDITERRANEE spenden. Für Seenotrettung und mehr Menschlichkeit auf dem Mittelmeer: https://sosmediterranee.de/spenden/

Neue Nasen auf die Bühnen

Neue Nasen auf die Bühnen

Johannes Mairhofer, Fotograf, mit dem Projekt speakabled.

– Wie speakabled. mehr Menschen mit Behinderungen auf die Bühnen bringen möchte

Johannes Mairhofer ist Fachinformatiker, Fotograf, Speaker und Um-die-Ecke-Denker. Er engagiert sich für die Zivilgesellschaft und vor allem für die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderungen.
Ich durfte mich mit ihm über sein Projekt speakabled. unterhalten. Ziel ist es, mehr Menschen mit Behinderungen auf die Bühnen zu bekommen: Sprecher*innen, die über Fachthemen statt über ihre Behinderungen sprechen.

Johannes, was ist speakabled.?

speakabled. ist eine Plattform, auf der Menschen mit Behinderungen oder besser gesagt, Sprecherinnen und Sprecher mit Behinderungen sich ein Profil erstellen können, um sichtbar zu werden. Sie tragen dort ihre inhaltliche Kompetenz ein und beschreiben diese. Menschen, die Veranstaltungen und Konferenzen organisieren, können dort nach Sprecher*innen mit Behinderung suchen. Die Plattform richtet sich also an Veranstalter*innen, die den Anspruch haben, ihre Bühnen vielseitiger und diverser zu gestalten – was ja leider bei Weitem nicht immer der Fall ist.

Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Ich selbst habe eine sichtbare Behinderung und es hat mich immer gestört, dass man Menschen mit Behinderungen nur auf Bühnen sieht, wenn sie selbst über Behinderungen sprechen. Es gibt selten Speaker, die über ihre Fachthemen sprechen und nebenbei auch eine Behinderung haben. Ich habe damals recherchiert, ob es zu dieser Lücke schon Angebote gibt, und nichts gefunden. Und ich bin dann so der Typ Mensch, der sich sagt: „Das gibt es noch nicht? Na, dann mach ich es halt!“ (lacht

Inwiefern besteht denn ein Risiko der Reproduktion von Ungleichheiten? Menschen, die über speakabled. nach Sprecher*innen suchen, suchen ja nicht mehr nur nach Themen, sondern wollen vor allem Menschen mit Behinderungen auf der Bühne haben.

Ein Foto von Johannes, welches er während der Corona-Pandemie mit einer kontaktlosen Methode mit Abstand fotografiert hat.

Ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderungen für ihre Kompetenzen und Themen wahrgenommen werden und nicht immer nur über die Behinderung. Aber dafür brauchen sie eine Sichtbarkeit und es muss normaler werden, Menschen mit Einschränkungen auf Bühnen und in Shows zu sehen. Und bei Medienberichten geht es ja oft weiter. Meist werden sie nur in Bezug auf ihre Behinderung interviewt. Mein Wunsch ist es, dass es die Plattform in 10 Jahren nicht mehr braucht, weil Menschen mit und ohne Behinderung ganz selbstverständlich zu Fachthemen sprechen.

Auf der Plattform kannst Du nach Themen suchen. Wenn Du nach Fotografie suchst, dann findest Du zum Beispiel mich! Andere sprechen über Skateboards oder über Tech. Auch Lars Fischer, der Wissenschaftsjournalist, ist bei speakabled. vertreten.

(links: Ein Foto von Johannes, welches er während der Corona-Pandemie mit einer kontaktlosen Methode mit Abstand fotografiert hat. Hier: Katja Diehl)

Die Menschen, die auf speakabled. suchen, sind sicherlich Menschen, die generell schon offen für Diversität auf der Bühne sind. Wie erreichst Du denn Menschen, die bisher noch nicht für solche Themen sensibilisiert sind?

Das ist eine gute Frage und tatsächlich eine große Herausforderung. Ich gebe viele Interviews zu dem Thema, schreibe Gastartikel und versuche dem Ganzen eine gewisse Sichtbarkeit zu geben. Das Problem besteht ja ganz oft, wenn man sich Plattformen für Diversität ansieht. Das ist leider ein echter Teufelskreis.

Ist speakabled. denn selbst barrierefrei?

Leider ist die Website nur barrierearm. Ich habe sie mehrfach von Menschen mit verschiedenen Behinderungen checken lassen. Und alles, was ich mit WordPress anpassen konnte, habe ich gemacht. Und ich bin wirklich ganz fit mit WordPress (lacht). Aber um tatsächlich den Stempel „barrierefrei“ zu tragen, müsste ich eine*n Programmierer*in engagieren. Und da es sich bei speakabled. um ein Ehrenamt handeln, ist mir das leider momentan nicht möglich. 

Kostet es denn etwas, bei Dir Speaker zu buchen oder sich selbst als Sprecher*in zu registrieren?

Nein! Es geht mir rein um den guten Zweck. Alle registrierten Sprecher*innen geben ihre Kontaktdaten an und können direkt kontaktiert werden. Ich verdiene daran gar nichts. Wichtig ist auch, dass alle eingetragenen Menschen angeben können, wie sie am liebsten kontaktiert werden. Denn nicht alle möchten angerufen werden zum Beispiel. Das ist gerade im Kontext Inklusion sehr relevant.

Du hast jetzt ein paar Mal betont, dass es Dir um die Bühnenpräsenz von Menschen mit sichtbaren Behinderungen geht. Richtet sich speakabled. nur an Menschen mit sichtbaren Behinderungen?

Ein Foto von Johannes, welches er während der Corona-Pandemie mit einer kontaktlosen Methode mit Abstand fotografiert hat. Hier: David Lebuser

Nein! Das war zwar meine ursprüngliche Motivation, aber ich fühle mich nicht berechtigt zu prüfen, welche Art der Behinderung sichtbar oder unsichtbar ist. Ich prüfe da gar nichts. Bei mir kann sich jeder registrieren, der oder die sich als Mensch mit Behinderung identifiziert. Behinderungen wie etwa Autismus sind ja nicht sichtbar, aber deshalb in keiner Weise weniger relevant. Es gibt auch kein Feld, in dem eingetragen wird, welche Behinderung man hat. speakabled. ist ja kein Zirkus! Wer möchte, kann in den Freitext etwas zu seiner Behinderung schreiben, manche haben auch Fotos hochgeladen, auf denen zum Beispiel ein Rollstuhl sichtbar ist. Das Einzige, was ich abfrage, ist das Feld „Anforderungen“. Dort kann man etwa notieren, dass man einen Ruheraum braucht, oder eine Flasche Wasser oder ein Mikro oder einen Stuhl. Aber auch Speaker ohne Behinderungen haben ja oft spezielle Anforderungen wie etwa Internet oder eine Moderation.

(rechts: Ein Foto von Johannes, welches er während der Corona-Pandemie mit einer kontaktlosen Methode mit Abstand fotografiert hat. Hier: David Lebuser)

Wo siehst Du speakabled. in 10 Jahren?

Am besten gibt es speakabled. nicht mehr, weil es nicht mehr gebraucht wird. Aber erst mal freue ich mich, wenn es die Jahre vorher intensiv genutzt wird. Außerdem wäre eine finanzielle Wertschätzung für meine Arbeit ganz wunderbar. Seit einiger Zeit nutze ich Paypal für Spenden, das könnte mir dann vielleicht in den kommenden Monaten und Jahren ermöglichen, noch weiter an speakabled. zu arbeiten und es weiter zu entwickeln.
Ach, ich wünsche mir einfach, dass die Bühnen diverser werden und wir nicht immer nur die gleichen Nasen sehen!

Wenn Sie nun Lust bekommen haben, Johannes mit speakabled. zu unterstützen, können Sie dies direkt hier tun: paypal.me/speakabled


Ein Foto von Johannes, welches er während der Corona-Pandemie mit einer kontaktlosen Methode mit Abstand fotografiert hat.

#KeinWiderspruch

Ein vorheriges Projekt von Johannes Mairhofer ist #KeinWiderspruch
Ziel der Fotoreihe ist es, Menschen mit Behinderung von dem Narrativ zu lösen „arm dran“ zu sein. Der Mensch mit all seinen Facetten soll wieder in den Fokus gerückt werden. Dafür reiste Johannes durch Deutschland und fotografierte 30 Menschen. Die Porträtierten schrieben selbst einen kurzen Text, um sich vorzustellen. Dabei entschieden sie individuell, ob und wie sie ihre Behinderung erwähnen wollten. Viele haben einfach nur über ihre aktuellen Projekte berichtet.


(rechts: Ein Foto von Johannes, welches er während der Corona-Pandemie mit einer kontaktlosen Methode mit Abstand fotografiert hat. Hier: Lisa Schmidt)


Johannes Mairhofer, Fotograf, mit dem Projekt speakabled.

Johannes Mairhofer ist Fachinformatiker, Fotograf, Berater und Autor. Er gibt Workshop zum Thema Smartphone-Fotografie und WordPress und engagiert sich für verschiedene zivilgesellschaftliche Themen. Da er selbst mit einer sichtbaren Behinderung lebt, ist ihm die Darstellung von Menschen mit Behinderung besonders wichtig. Dafür gründete er speakabled. und setzte als Fotograf das Projekt #KeinWiderspruch um. 

Mehr zu Johannes: 

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Johannes freut sich über Unterstützung!