5 Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Familienalltag

Nachhaltig leben können nur Menschen, die viel Zeit und Muße haben? Mitnichten! Sarah Meyer fasst uns in diesem Gastbeitrag fünf Tipps zusammen, wie man auch im stressigen Familienalltag nachhaltig und naturnah leben kann.

Seit Kindesbeinen liegt mir die Natur am Herzen. Für mich war es selbstverständlich, Bienen und Regenwürmer zu beobachten und sie ohne Scheu von Gehwegen und aus Pfützen zu retten. Seitdem letztes Jahr unser Sohn auf die Welt kam, reichen für mich urplötzlich meine bisherigen Handlungen nicht aus. Ich spüre das Verlangen danach, mehr zu tun, damit unser Planet auch für zukünftige Generationen bewohnbar ist. Ich will meinem Sohn die Möglichkeit geben, die Welt in all ihrer Schönheit und Vielfalt zu entdecken. Ich will, dass er einen respektvollen und von Wertschätzung geprägten Umgang mit Mensch und Tier pflegt. Den muss ich vorleben – jetzt mehr als irgendwann davor. 

Mein Partner brachte schließlich auch das Thema „plastikfreier Leben“ auf die Agenda und das verleitete uns dazu, uns mal einen gesamten Überblick über unsere Lebensweise zu verschaffen. Aus den Ergebnissen lassen sich 5 Tipps ableiten, um auch im Familienalltag nachhaltiger zu leben.

1) Die Wurmbox

Ich bin ein riesen Fan der Wurmbox. Sie riecht nicht, sieht je nach Anbieter sogar schick aus und für die Kinder ist es etwas ganz Besonderes zu lernen, wie wir, die Kompostwürmer und unser Abfall Teil der Natur sind.  
Bei der Wurmkompostierung zerlegen Würmer und Bakterien Bioabfälle in ihre Grundsubstanzen. Dadurch entsteht frischer Hummus, der hervorragende Pflanzenerde ist. Dieser ganze Vorgang findet in einer je nach Anbieter und Design unauffälligen bis schicken, dekorativen Box oder Kiste statt. Es funktioniert wirklich geruchlos, braucht wenig Platz und Pflege. 

Ein wunderbarer, nachhaltiger Anbieter ist hier zu finden: https://wurmkiste.at/

2) Weniger ist mehr 

Und dies vor allem in Bezug auf den Fleischkonsum. Wir selbst sind ein vegetarisch-veganer Haushalt, weshalb ich aus Überzeugung sagen kann, dass es super viele, leckere, kinderbeliebte Rezepte ohne Fleisch gibt. Wie wäre es denn, wenn ihr drei fleischfreie Tage in der Woche einführt? Das tut niemandem weh (im wahrsten Sinne) und sorgt vielleicht sogar für neue Kreativität auf dem Speiseplan. Es ist wirklich nicht schwer, fängt bei Schupfnudelauflauf an und hört bei Chili sin carne nicht auf.  

Mit dem Fleischrechner könnt ihr mit wenigen Informationen über euren wöchentlichen Konsum von Geflügel-, Schweine- oder Reinfleisch eure persönliche Bilanz ausrechnen lassen. Aus den Daten errechnet das Tool, wie viel Wasser der Fleischkonsum pro Jahr verbraucht und wie viel Kilogramm CO2 ausgestoßen werden. Außerdem gibt der Rechner an, wie viel Antibiotika zum Einsatz kommen. Dabei könnt ihr auch angeben, wie viel Fleisch ihr durch vegetarische Alternativen zu ersetzen bereit wärt und seht den direkten Unterschied, den ihr damit macht. 

3) Plastik reduzieren 

Auch dieser Schritt ist kinderleicht und fängt im Kleinen an. An den meisten Frischetheken kann man seine Wurst und seinen Käse unverpackt kaufen und in die eigene mitgebrachte Tupperdose packen lassen. Obst und Gemüse lassen sich auch plastikfrei einkaufen, unser Brot backen wir inzwischen selbst. Auch hier sind wir mit Babyschritten gestartet: Angefangen mit Bio-Backmischungen produziere ich nun meine eigene Hefe:

  • 2 Bio-Datteln, 
  • 1 EL Zucker 
  • 1 Liter Leitungswasser
  • 8 Tage lang morgens und abends schütteln und die Gase entweichen lassen

Voilá! Schon sollte gesunde, gut bekömmliche und schimmelfreie Hefe entstanden sein!

Außerdem backe ich unser Roggenbrot erfolgreich – nach mehreren Versuchen – selbst. Und: Wir haben einen tollen Unverpackt-Laden, wo wir auch viele andere Sachen ohne Plastikverpackung herbekommen.

4) Teilen – denn sharing is caring

Hier in Mainz gibt es eine großartige Foodsharing-Community, die mit ein paar wenigen ganz unkomplizierten Regeln auskommt. Mitglieder des Vereins und auch der vielen Gruppen online in den sozialen Medien teilen ihr Essen und da kommt wirklich eine Menge zusammen. Es lohnt sich, sich einer solchen Gemeinschaft anzuschließen und die Augen bei den Beiträgen offen zu halten. Natürlich kann man auch selbst zu viel gekochtes Essen oder Lebensmittel online posten  und verschenken. 

Dasselbe Prinzip funktioniert auch mit Autos über sogenannte Carsharing-Vereine, Mitfahrgelegenheiten oder Zusammenschlüssen von Pendlern. Aufs Auto sind wir nicht angewiesen, wir erledigen alles mit dem Fahr- und Lastenrad sowie den öffentlichen Verkehrsmitteln.

5) Kinder als Experten wahrnehmen

Unsere Kinder bekommen oft mehr mit als wir denken. Das geschieht bewusst, wenn sie etwa die Nachrichten oder Gespräche mitbekommen oder auch vollkommen unbewusst, wenn es in Büchern ständig schneit und draußen nie. Anstatt kindliche Fragen und Gedanken zu dem Thema Nachhaltigkeit aus einem Schutzreflex abzuwürgen, begebt euch in einen ehrlich interessierten Austausch mit ihnen. Kinder erhalten das Gefühl von Selbstwirksamkeit, wenn wir ihnen vermitteln, dass sie selbst auch etwas tun können. Fragt eure Kinder ruhig zurück: Was würdest du gerne zu Hause ändern? Oder in der Kita? Auf Glasflaschen umstellen, auf Alufolie verzichten? Geht spielerisch an das Einkaufen ran: Wer findet im Supermarkt das meiste Gemüse ohne Verpackung? Experimentiert mit ihnen in der Küche, indem ihr zum Beispiel Joghurt in Gläsern kauft, ihn nach euren Geschmäckern würzt, über Nacht in einem mit einem Mulltuch ausgelegten Sieb beschwert und ausdrückt und am nächsten Tag entscheidet, welcher selbstgemachte Frischkäse der Beste ist. Es darf auch gerne mehrere Gewinner geben. 
Eurer und der Phantasie eurer Kinder sind keine Grenzen gesetzt!

Jeden Tag ein bisschen näher…

Keiner erwartet, dass sich von heute auf morgen alles ändert und die guten Vorsätze ohne Rückschläge oder zurückfallen in alte Muster eingehalten werden. Das wäre utopisch und dem ganzen Prozess gegenüber unfair. Alles beginnt mit kleinen Schritten, kleinen Umstellungen und einem schrittweisen Umdenken. Doch wenn wir jeden Tag einen kleinen Schritt gehen, blicken wir irgendwann auf einen langen Weg zurück und erfreuen uns an einer kinderleichten nachhaltigen Gegenwart.


Über Sarah Meyer

Sarah Meyer über Nachhaltigkeit im Familienalltag hier mit Baby

Sarah Meyer ist Sozialpädagogin, Beraterin und Begleiterin für Frauen, die einen liebevollen Umgang mit sich selbst und die Stärkung des eigenen Ichs wollen. Sie hat selbst einen Sohn und kennt die Herausforderungen, die Arbeit, Mutterschaft und Partnerschaft mit sich bringen.

Daneben verfügt sie über jahrelange fachliche und persönliche Erfahrung in der Stärkung des Selbstwertes. Aufgrund ihrer Erfahrungen möchte sie Mamas unterstützen herauszufinden, was sie wollen, wie ihre Familie sein soll und wie sie entspanntes Mutterglück leben können.

Weitere Infos finden sich auf ihrer Webseite und der dazugehörigen Facebook-Seite.

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