Equal Pay – 3 Gründe, wieso ich immer noch darüber spreche

Merle Becker in der Hessenschau zum Thema Equal Pay

Am Equal Pay Day hatte ich die Chance, in der Hessenschau drei Statements abzugeben. Wieso ist das Thema Equal Pay im Jahr 2019 immer noch relevant?

Es geht um die Lohnlücke. Entweder hören wir von 21% (Frauen verdienen unabhängig von Stelle und Position im Schnitt 21 % weniger als Männer) oder von 6% (auf gleicher Position verdienen Frauen immer noch 6% weniger). Es gibt viele Gründe für die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland, u.a.:

  • Der kulturelle und gesellschaftliche Anspruch
  • Diskriminierung
  • fehlende Pflegeplätze und fehlende Kinderbetreuung
  • schlechte Bezahlungen sogenannter Care-Arbeit (also z.B. Pflegeberufe)

Auf einige dieser Punkte möchte ich im Folgenden besonders eingehen. Es wird vor allem deutlich, wie sehr sie alle zusammen hängen.

  1. Nicht nur fehlende Betreuungsangebote, sondern vor allem auch der gesamtgesellschaftliche Anspruch erschwert Müttern den Wiedereinstieg in die Lohnarbeit!

Wenn ich mir immer wieder anhören muss, ich sei eine Rabenmutter, weil ich meinen Sohn mit 13 Monaten in die Kita gebe, dann erleichtert mir das sicherlich nicht den Lohnerwerb – geschweige denn von einer motiviert vorangetriebenen Karriere. Dabei müssen die Vorwürfe nicht nur direkt erscheinen. Gerne höre ich auch: „Wie? Sie können vormittags nicht zum Kinderarzt?“ oder „Haben Sie denn keine Freundinnen, die nachmittags um 15h kurz Ihren Sohn nehmen können, damit wir ein Elterngespräch in der Kita führen können?
Aber besonders schmerzttt natürlich ein „Aber… er ist doch noch so klein!“ oder „Ach, ich könnte das ja nicht…
Doch: Welche Wahl bleibt einem denn, wenn man nur 14 Monate Elterngeld bekommt, die Mieten stetig steigen und jeder Monat außerhalb des Jobs den Wiedereinstieg erschwert?

Also Mutter soll man bitte möglichst lange rund um die Uhr für die Kinder da sein. Als Frau aber bitte Karriere machen, Geld verdienen und mindestens 40 Stunden für den Arbeitgeber und die Gesellschaft da sein. Na dann…

2. Wer in Deutschland als Frau Kinder bekommt, wird dafür langfristig finanziell abgestraft und gerät in die Gefahr der Altersarmut. Männer nicht.

Gerade erst wurde die sogenannte Child-Penalty-Studie veröffentlich, welche deutlich macht: Auch 10 Jahre nach der Geburt des ersten Kindes liegt das Einkommen von Müttern immer noch 61% unter dem letzten Durchschnittsgehalt im Jahr vor der Geburt. Wenn man nun das Alter der Frauen zehn Jahre nach der Geburt ansieht, wird klar, dass diese Lohnlücke wohl in den seltensten Fällen wieder aufgeholt wird.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt, der leider oft ausgeblendet wird: Weniger Gehalt oder gar Gehaltsausfälle führen zu fehlende Rentenpunkten. 75% der heute 30 bis 50 Jährigem Frauen werden voraussichtlich eine Rente unter dem Harz4-Niveau bekommen, berichtete die Süddeutsche Zeitung! Natürlich kann es sinnvoll sein, dass die Frau ein Jahr zu Hause bleibt und der Mann Vollzeit arbeitet, doch dann sollte man dieses Thema ansprechen. Rentenpunkte lassen sich auch weitergeben und ein Partner kann dem anderen die Gehaltslücken auch auszahlen. Denn auch Care-Arbeit ist Arbeit. Meist sogar weit über 40h/Woche hinaus!

3. Gleichberechtigte Aufteilung der Care-Arbeit ist im Alltag nur selten gleichberechtigt. Der sogenannte „Mental-Load“ verbleibt in vielen Fällen bei den Frauen – neben der Lohnarbeit.

Die feministische Künstlerin „Emma“ aus Frankreich (die nichts mit der deutschen Zeitung „Emma“ zu tun hat), hat vor einiger Zeit einen Comic zu dem sogenannten „Mental Load“ veröffentlicht. Angeblich haben Frauen überall auf der Welt geweint, weil sie begriffen haben, was sie so oft im Alltag ermüdet. Die Idee hinter dem Comic ist, dass Frauen, die von sich glauben, in gleichberechtigten Beziehungen zu leben, trotzdem noch den Managementpart im Alltag einnehmen. So sind es demnach oft die Frauen, die an Geburtstage denken, die Einkaufslisten schreiben, den Sportplan der Kinder kennen usw. Zwar macht der Partner die Hälfte der Arbeit, aber die Frau plant alles – und macht die andere Hälfte der Arbeit. Dies bedeutet, dass die Frau sowohl im Management als auch im operativen Part aktiv ist – und das alles neben der Lohnarbeit. Traditionelle Rollenbilder sahen die Frau zu Hause, den Mann bei der Arbeit. Dies ist heute meist nicht mehr der Fall. Und trotzdem ist es die Frau, die den Haushalt immer noch regeln muss (der Mann nimmt im Haushalt lediglich einen Hilfsjob an). Das ist eine enorme Mehrbelastung neben der Lohnarbeit – und hat natürlich Einfluss auf Konzentration und somit auch Karriere und Bezahlung im Job.

Weitere Statements finden Sie dazu von mir hier:

Merle Becker in der Hessenschau (KLICK)

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