Surf’s Up: Frauen in Surffilmen

Frauen in Surffilmen

„Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“

Die offizielle Begründung des Deutschen Fußballbundes für das Verbot des professionellen Frauenfußballs aus dem Jahr 1955 erscheint heute absurd. Frauen betätigen sich mittlerweile in fast allen Sportarten professionell und nicht nur die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen ist äußert erfolgreich. Frauen tragen heute wesentlich zu den Erfolgen im Spitzensport bei.
Doch wie steht es um die Mediatisierung des Weiblichen im Sport und insbesondere im Surfsport? Wie werden Frauen in Surffilmen dargestellt? 
Um diese Fragen zu beantworten habe ich mir zwei Filme aus unterschiedlichen Epochen angesehen, sie analysiert und miteinander verglichen. Wie wird wie die Rolle der Frau in dem Film Gidget aus dem Jahr 1959 dargestellt und das Geschlecht konstruiert? Und wie unterscheidet sich die Rolle der Frau in Gidget zu der in Point Break aus dem Jahr 1991?
Wenn wir davon ausgehen, dass Frauen in den 90er Jahren emanzipierter und selbstständiger waren als noch in den 50er Jahren, dann müssten dies die Surffilme widerspiegeln. Doch ist das so?
Was heißt denn eigentlich Geschlecht?

Was bedeutet Geschlecht?
Was bedeutet Geschlecht?

Laut Judith Butler ist geschlechtliche Identität nicht vorgegeben, sondern wird durch stilisierte, sich wiederholende Akte beständig konstruiert. Dabei gibt es immer auch Abweichungen in den Wiederholungen (besonders weil es kein Original gibt), was die geschlechtliche Identität instabil macht. Gleichwohl bleibt sie jedoch in dem historisch konstituierten Rahmen. Dabei meint Butler nicht nur, dass das soziale Geschlecht konstituiert ist, sondern auch das biologische. Es gäbe in der Natur keine Dichotomie von Geschlechtern, sondern sie sei menschengemacht. Von dem Moment an, in dem der Arzt oder die Ärztin der Mutter verkündet: „Es ist ein Junge/Es ist ein Mädchen!“ wird das Kind in die Dichotomie aufgenommen und muss die sozialen Anforderungen erfüllen, um akzeptiert zu werden. Auch R. Connell geht davon aus, dass das soziale Geschlecht prozesshaft konstituiert wird. Körperreflexive Praxen konstituieren demnach eine Welt mit einer körperlichen Dimension, die nicht biologisch determiniert ist. R. Connell sieht Gender in Relation zu einer übergeordneten Machtstruktur und einem Symbolismus der Differenz.

Frauen im Sport

Surfen gilt noch immer als Männersport
Surfen gilt noch immer als Männersport

Bestimmte Ideale von Männern und Frauen weisen kulturübergreifend hohe Übereinstimmungen auf. So wird der Mann meist als kompetent und aktiv gesehen, während die Frau emotional und sozial dargestellt wird. Diese traditionellen Ideale haben sich auf das Bewegungsverhalten von Frauen und Männern ausgewirkt und damit auch „typische“ Sportarten für beide Geschlechter vorgegeben. Heute sind Frauen zwar in nahezu allen Sportarten anzutreffen, doch gerade in den „typisch“ männlichen – also Kampf- oder Kraftsportarten – unterrepräsentiert. Katharina Fietze beschreibt dies als eine „Gleichstellung innerhalb eines männlich geprägten Systems“, da viele der Sportarten von Männern für Männer entwickelt wurden und sich dementsprechend auch am männlichen Körper orientieren. Das Idealbild der Frau in unserer Gesellschaft basiere auf Konfliktvermeidung, Defensive und Unterordnung, weshalb Frauen auch so erzogen würden und die männlichen Sportarten damit mit schlechteren Vorbedingungen ausführen müssen.
Problematisch ist jedoch heutzutage nicht mehr so sehr, dass sich nicht genug Frauen im Sport engagieren, sondern vielmehr, dass sie medial unterrepräsentiert sind. So werden Frauen in den Sportmedien zwar als Leistungsträgerinnen dargestellt, wobei jedoch auch die weibliche Schönheit stark inszeniert wird und als Voraussetzung für eine starke mediale Präsenz gilt. So werden Sportlerinnen – im Gegensatz zu Sportlern – häufig nicht in Aktion gezeigt, sondern in Posen, welche den weiblichen Attributen eher zu Gute kommen. Das bedeutet, dass die Frau als Sportlerin nicht nur gute Leistungen erbringen muss, sondern gleichzeitig schön und attraktiv zu sein hat, um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen.
Obwohl Frauen schon im alten Hawaii surften und auch in Kalifornien schon seit den frühen 20er Jahren auf den Wellen reiten, gilt Surfen als Männersport. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2004 zeigt, dass die Geschlechterunterschiede im Surfsport in Santa Cruz seit den 1960er Jahren offensichtlicher geworden sind, was sich vermutlich auf das vermehrte Engagement weiblicher Surfer zurückführen lässt. Denn je mehr und je besser Frauen Wellen reiten, umso eher fühlen sich die Männer in ihrer Männlichkeit bedroht und versuchen sich durch stärkere Idealgrenzen abzuheben. Zudem heißt es, dass Männer sportlichen Frauen männliche Züge zusprechen, um damit die Männlichkeit zu verteidigen.

„Gidget“ oder auch „April entdeckt die Männer“

Gidget im Wandel des Films
Gidget im Wandel des Films

1959 erschien der Film „Gidget“ (dt. „April entdeckt die Männer“). Die 50er Jahren waren sowohl in den USA als auch in Europa von einem Wirtschaftsaufschwung und dem damit einhergehenden Baby Boom gekennzeichnet. Das Idealbild der Frau zu dieser Zeit war die stets lächelnde Haushälterin, die ihrem Mann ein sauberes, schönes Heim bot, sobald er nach der Arbeit nach Hause kam. Die kommerzielle Welt, in welcher Güter produziert wurden und das Heim, in welchen sie konsumiert wurden, drifteten geografisch und kulturell auseinander. Gleichzeitig galt in Zeiten des kalten Krieges die Familie als Abwehr gegen den Kommunismus, was die Rolle der Frau in Bezug auf die Verteidigung der westlichen Werte fundamental werden ließ. Die Haushälterin wurde als Bewahrerin des vorstädtischen Traums und als Schlüsselfigur zwischen der Familie und der Gesellschaft gesehen. Hinter dieser Glorifizierung der Rolle der Frau in den 50er Jahren befanden sich jedoch oft isolierte, gelangweilte und unerfüllte Frauen, was dazu führte, dass im Laufe der späten 50er Jahre immer mehr Frauen auch außerhalb des Heimes arbeiteten. Im Jahr 1960 gingen bereits fast 40 Prozent der US-Amerikanischen Mütter mit Kindern zwischen sechs und 17 Jahren bezahlter Arbeit nach. Diese Berufe beschränkten sich jedoch zumeist auf begrenzte Tätigkeiten und Frauen verdienten sehr viel weniger als Männer in vergleichbaren Berufen.

Die Wandlung der Gidget

Der Film Gidget erschien in genau diesem Zeitrahmen. In dem Film wird der Charakter der Franzy (im Verlauf des Filmes Gidget genannt und von Sandra Dee gespielt) genauer beleuchtet. Gidget macht im Laufe des Films eine Wandlung durch, die auch gut den Konflikt zwischen Tradition und Aufbruch der Frauen der späten 50er und frühen 60er Jahre widerspiegelt. Diese Wandlung soll durch eine Dreiteilung der Beschreibung des Charakters (vor der Wandlung, die Wandlung und nach der Wandlung) verdeutlicht werden.

Vor der Wandlung

Zu Beginn des Films befindet sich Gidget mit Freundinnen zu Hause und wird im Laufe des Dialogs als Vorzeigeschülerin und langweilig vorgestellt. Zudem habe sie ein Problem und sei anders als ihre Freundinnen, welche warnen: „Sie muss es diesen Sommer schaffen, oder sie wird eine soziale Außenseiterin!”. Die Mädchen planen an den Strand zu gehen, um dort auf Männerjagd zu gehen, doch Gidget interessiert sich nicht für Männer und hat kein großes Interesse an dem Ausflug.
Die Darstellung des Charakters als andersartig im Vergleich zu dem Rest der weiblichen Charaktere ist essentialistisch. Es wird davon ausgegangen, dass Frauen im Kern etwas gemein haben und genau das bereitet Gidget Probleme, weil sie diese Essenz nicht zu finden glaubt.

Frauen gelten im Surffilm immer noch als Schmuck.
Frauen gelten im Surffilm immer noch als Schmuck.

Am Strand angekommen, versuchen die Freundinnen eine Gruppe junger Männer auf sich aufmerksam zu machen, indem sie in Badebekleidung an ihnen vorbeilaufen beziehungsweise in ihrer Nähe Ball spielen. Gidget sticht aus der Mädchengruppe heraus, da ihr Badeanzug offensichtlich zu groß ist und sie durch ihre zierliche Gestalt auch sehr viel jünger und unweiblicher wirkt. Auffällig ist, dass die Männer sich betont desinteressiert und entspannt geben, während die Frauen aufgedreht, kichernd und nach Aufmerksamkeit buhlend dargestellt werden. Gidget entscheidet sich, sich von der Gruppe zu trennen und alleine schwimmen zu gehen. Darauf fragt eine der Freundinnen sie, ob sie denn gar keinen Stolz hätte, in so einem Badeanzug herumzulaufen. Gidget erwidert, sie müsse das Wort „Stolz“ wohl nochmal im Wörterbuch nachschlagen

Hier wird die Weiblichkeit vor allem im Gegensatz zu der Männlichkeit betont. Semiotisch heißt es, dass Frauen aufgeregt, naiv und sexy sind, während Männer eher eine entspannte, selbstsichere und beobachtende Rolle einnehmen. Der Stolz einer Frau ist nach Meinung der Freundinnen lediglich der Körper, um Männer aufmerksam zu machen, während Gidget unter Stolz andere Werte versteht.
Nach dem selbstbewussten Alleingang bekommt Gidget im Wasser jedoch Probleme und droht zu ertrinken. Moondoggy – ein junger Mann aus der vorher beschriebenen Gruppe – rettet das Mädchen, indem er sie auf dem Surfbrett liegend an den Strand bringt. Er erklärt ihr, dass der Strand für Damen zu gefährlich und nur für Surfer gemacht sei. Die Frau wird als schwach und hilfsbedürftig dargestellt. Gidget ist nach ihrer ersten Surferfahrung sehr aufgeregt und beschließt, selber surfen zu lernen. Moondoggy zeigt ihr deutlich sein Desinteresse. Beim Versuch, ein Surfbrett zu kaufen, bekommt Gidget gesagt, sie sei zu schwach für diesen Sport. Um ihre Stärke zu demonstrieren, hebt sie ein Brett hoch. Später hilft sie dem Verkäufer, welcher eine Ölflasche nicht geöffnet bekommt und dreht diese in Gedanken für ihn auf. Zu diesem Zeitpunkt wird Gidget als naiv, selbstbewusst und (willens)stark dargestellt, obwohl sie als fast Ertrinkende trotzdem auf die Hilfe der Männer angewiesen ist.
Zu Hause bittet Gidget ihren Vater um Geld für ein Surfbrett. Es steht außer Frage, dass der Vater die Entscheidung über finanzielle Ausgaben zu treffen hat. Zunächst ist er dagegen, doch die Mutter unterstützt ihre Tochter und überredet den Vater. Eine entscheidende Rolle nimmt die Mutter in Finanzfragen also nicht ein.

Zurück am Strand versucht Gidget, mit dem Anführer der Männergruppe Kontakt aufzunehmen und bietet ihre Kochkünste an: „Ich bin ein Zauberer in der Küche!”. Dieser geht jedoch einfach weg, während sie noch für ihn kocht. An dieser Stelle wird deutlich, dass die Rolle der Frau als Essenz auch gute Kochkünste beinhaltet, sogar bei einem jungen Mädchen, das eben noch mit Selbstbewusstsein und Stärke trumpfen konnte.

Heute gehören Frauen eigentlich selbstverständlich zur Surfszene.
Heute gehören Frauen eigentlich selbstverständlich zur Surfszene.

Später möchte Gidget sich das Surfbrett vom Geld des Vaters kaufen. In Verbindung mit dem Geld haben die Männer plötzliches Interesse an dem Mädchen und schicken dieses los, um Burger zu kaufen. Gidget freut sich über die plötzliche Zuneigung und ruft fröhlich: „Oh das würde mich freuen! Genauso mag ich es!” Auch an dieser Stelle nimmt sie die Rolle der sorgenden Hausfrau ein. Kurz darauf hat Gidget ihren ersten Surfunterricht. Ihr Surflehrer – im Film Loverboy genannt – spart nicht mit sexuellen Anspielungen, bis sie schließlich beide vom Brett fallen und Moondoggy dazwischen geht. Ihre Unschuld und Naivität wird hier eindeutig als Gefahr für sie dargestellt, welche nur durch das Eingreifen ihres vorherigen Retters abgewendet werden kann.

Abends zu Hause fragt Gidget ihre Mutter um Rat, warum sie so anders sei, weil sie keine Dates und keine Männer möge. Ihre Mutter antwortet, dass die Zeit kommen wird, in welcher ihre Tochter jemand kennen lernen wird, den sie mag und mit dem sie sich gerne alleine trifft: „Eines Tages wirst du es fühlen, mein Schatz! Es wird sich alles verändern, weil du etwas Magisches fühlen wirst. Eine kleine Glocke wird in deinem Herzen läuten”. Die Mutter-Tochter-Beziehung und vor allem die Beeinflussung der Mutter spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Charakters. Die Mutter – eine immer fröhliche, sorgende Hausfrau – lenkt ihre Tochter in die vorgeschriebenen Bahnen. Dies erfolgt stets durch eine normative Definition der Rolle der Frau

Die Wandlung

In der nächsten Strandszene zeigt sich Gidget in einem auffällig schönen und knappen Badeanzug und die Jungs tragen sie ins Wasser. Sie surft mit Moondoogy auf einem Brett und macht Mutproben, in der Hoffnung, dann vollkommen zu der Gruppe dazuzugehören. Doch plötzlich taucht sie nicht mehr auf, weshalb die Männer sie retten und ans Land tragen müssen. Eingewickelt in eine Decke sagt sie an Land, dass sie die Mutproben alle wieder über sich ergehen lassen würde, wenn es die Jungs von ihr verlangten. Sie scheint den Männern verfallen zu sein und tut alles, was sie ihr sagen. Gleichzeitig ist sie ohne die dauernden Rettungen der Männer hilflos. Dabei zeigen sich wieder der semiotische Ansatz der Definition von Weiblichkeit und die Abhängigkeit des weiblichen Geschlechts von dem männlichen.

Die Rolle der Frau in Surffilmen
Die Rolle der Frau in Surffilmen

Abends im Bett erzählt Gidget ihrer Mutter, dass sie „den Einen“ gefunden habe und fragt, wie sie sich nun zu verhalten habe. Ihre Mutter erklärt, dass es nicht Gidgets Aufgabe wäre, weitere Schritte einzuleiten, sondern die des Mannes. Hier wird die Geschlechtereinteilung sehr deutlich. Eine Frau hat nicht den Mann zu umgarnen, sondern zu warten, bis der Mann den ersten Schritt macht.
Zurück am Strand lernt Gidget Monndoggys sehr aufreizende Freundin kennen, die sich nicht für das Surfen interessiert. Hier zeigt sich, dass das Ideal einer attraktiven Frau im Idealfall männliche Sportarten – wie das Surfen – meidet. Zudem erfährt Gidget von einer Party, die bald stattfinden soll und bekommt von den Männern gesagt, dass sie daran nicht teilnehmen kann. Als Reaktion auf diese Neuigkeiten macht Gidget zu Hause Übungen, um ihren Körper weiblicher erscheinen zu lassen (und dem normativen Ideal zu entsprechen) und überlegt sich, wie sie Moondoggy eifersüchtig machen kann: Sie bittet einen anderen Jungen gegen Geld mit ihr auf die Strandparty zu gehen. Aus der selbstbewussten Gidget, die sich in einem unförmigen Badeanzug wohl fühlte, ist ein Mädchen geworden, das sich und ihren Körper den Vorstellungen der Männer anpasst.

Schließlich erlaubt ihr auch der Anführer der Männergruppe an der Party teilzunehmen, solange sie Steaks von zu Hause mitbringt. Sie unterhalten sich über das Leben als Surfer und Gidget stimmt ihn mit ihren Fragen zu Zukunftsplänen und Lebenszielen nachdenklich. An dieser Stelle wird wieder deutlich, dass die Rolle der Frau auch eine gewisser emotionale Beeinflussung des starken männlichen Geschlechts beinhaltet

Am Abend der Strandparty stellt sich heraus, dass ihr gekaufter Ausgehpartner den Job weitergegeben hat und nun Moondoggy mit ihr zu der Party gehen wird. Nach einem innigen Kuss, den sie gekonnt als Teil der Arbeit eingefordert hat, rennt Gidget davon und fährt mit dem Anführer der Männergruppe zu ihm nach Hause. Dort fordert sie den sehr viel älteren Mann dazu auf, genau das mit ihr zu machen, was er mit anderen Frauen macht. Er zögert zunächst, doch legt sich dann mit ihr auf das Sofa. In dem Moment tritt Moondoggy ein und beide Männer beginnen eine Schlägerei. Es zeigt sich, dass Gidget sich nun nicht mehr von ihren Freundinnen unterscheidet, sondern auch um jeden Preis versucht, einen Mann zu finden. Sie scheint nun den normativen Vorstellungen der Weiblichkeit zu entsprechen und es wird bestätigt, dass sie doch die gleiche Essenz der Weiblichkeit mit sich brachte, diese jedoch erst durch die Liebe aktivieren konnte.

Nach der Wandlung

Wieder bei ihren Eltern ist Gidget geknickt und kündigt an, nie wieder ausgehen zu wollen. Sie scheint ihre Fehler einzusehen und daraus zu lernen.

Surfen - Nicht nur sexy, sondern ein Sport.
Surfen – Nicht nur sexy, sondern ein Sport.

Einige Tage später bereitet sich Gidget auf ein Treffen vor, das ihr Vater arrangiert hat. Sie ist immer noch traurig und erzählt ihrer Mutter von Moondoggy. Diese erklärt Gidget, dass sie sich gerade zu einer Frau entwickelt und sich dadurch so einiges verändert. Die Veränderung scheint zu beinhalten, dass das junge Mädchen ihre Stärke, ihr Selbstbewusstsein und ihre Unbeschwertheit aufzugeben hat. Ihre Mutter zeigt ihr einen Spruch der Großmutter: „To be a real women is to bring out the best in a man”. In dieser Definition von einer wahren Frau wird ganz klar der Kontrast zum Männlichen deutlich. Darüber hinaus scheint es die einzige Aufgabe der Frau zu sein, den Mann weiter zu bringen. Die Essenz der Frau ist damit schon das Gute, welches jedoch nicht für die Frau selber genutzt werden soll, sondern zur Beeinflussung der Männer

Der Unbekannte stellt sich als Moondoggy heraus, welcher jetzt wieder zum College geht und einen Anzug trägt. Beide fahren zusammen zum Strand, wo sie den Anführer der Männergruppe auffinden, der gerade seine Hütte abreißt, weil er einen festen Job angenommen hat. Gidget hat sowohl ihn als auch Moondoggy in ihrem Sinne beeinflusst und resozialisiert und ist damit dem alten Spruch ihrer Großmutter gefolgt. Der Anführer sagt zu Moondoggy: „Sie mag klein sein, aber sie ist eine echte Frau!“. Gidget hat die Definition von Weiblichkeit genau erfüllt.

Ihre Charakterwandlung geht somit von einem selbstbewussten jungen Mädchen, das sich nicht unterordnen lässt, zu einer Frau, die sich lediglich über den Mann definiert und am glücklichsten ist, wenn sie ihre normative Rolle in der Gesellschaft erfüllen kann.
Gidget im historischen Rahme

Surfen - ein beliebter Sport und Lifestyle.
Surfen – ein beliebter Sport und Lifestyle.

Die Rolle der Gidget gibt den Konflikt zwischen bestehenden und traditionellen Werten und dem Aufbruch gut wieder, der sich generell in der US-amerikanischen Gesellschaft widerspiegelt. Zunächst als emanzipiert und selbstbewusst dargestellt – etwa, dass sie unter Stolz mehr versteht als der Darstellung ihres Körpers für die Männer und stolz auf ihren hohen Bildungsgrad ist – wandelt sie sich im Laufe des Filmes und nimmt schließlich wieder die traditionelle Rolle der sorgenden Frau an der Seite ihres Mannes ein. Sie folgt den Vorgaben ihres Vaters und den Normen ihrer Mutter und verwirft ihre Freiheit. Gleichzeitig zeigt sich jedoch auch, dass ihre zu Beginn des Films thematisierte Andersartigkeit und Unabhängigkeit ihr Sorgen bereiten und sie aktiv versucht, etwas daran zu ändern – wie zum Beispiel anhand von Übungen, um größere Brüste zu bekommen, oder durch stets knappere Badeanzüge. Dennoch ist es zunächst überraschend, dass die sympathische Hauptfigur dieses amerikanischen Hollywoodfilmes der späten 50er Jahre zunächst so emanzipiert auftritt. Sie widersetzt sich ihren Eltern, lernt selbstbestimmt den Männersport Surfen und möchte die Männergruppe zunächst lediglich als gute Freunde haben. Erst durch den Wandel des Charakters während der Handlung wird diese Überraschung wieder gelöst und der historische Rahmen deutlich. Ihre wilden und emanzipierten Charakterzüge werden als für das junge Mädchen gefährlich dargestellt und das Happy End geht mit dem Wandel des Charakters hin zu der traditionellen Norm einher. Der Film scheint zu versuchen, die aufkeimende Emanzipation der Frauen in der westlichen Gesellschaft aufzuhalten und alte Werte hochzuhalten.

Wie hat sich diese Darstellung der Rolle der Frau in Surffilmen nun bis zu den 1990er Jahren entwickelt?

Point Break oder Gefährliche Brandung

In den 60er und 70er Jahren bestand der Lebensentwurf der Frauen in den USA und Westeuropa meist entweder aus Familie oder Beruf. Beides gleichzeitig war im Normalfall noch nicht vereinbar. Doch gerade in der zweiten Hälfte der 60er Jahre wurden immer mehr Frauen als Arbeitskräfte benötigt und der Bildungsstand von Frauen aller Schichten stieg an. Erst in den 80er Jahren nahmen Frauen vermehrt die Doppelrolle von Mutter und berufstätiger Frau an. Im öffentlichen Raum schienen Frauen zunächst dem Mann gleichgestellt zu sein, doch gerade innerhalb von Familien und Partnerschaften war dies oft nicht der Fall. Außerdem verdienen Frauen in vergleichbaren Berufen bis heute häufig weniger als Männer. Untersuchungen zeigen, dass sich die Einstellungen eher verändert haben als die tatsächlichen Aktionen. So ist es mittlerweile nicht mehr üblich davon auszugehen, dass die Frau die Hausarbeit übernimmt. In der Realität ist es jedoch trotzdem noch zumeist die Frau, die sich neben ihrem Beruf um das Heim und die Kinder kümmert. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Haushalte ab, in welchen der Mann der Hauptverdiener ist. Doch mit der Gründung einer Familie orientieren sich junge Paare immer noch vermehrt an traditionellen Rollenverteilungen. Für viele Frauen heißt das, dass sie einer doppelten Belastung ausgesetzt sind

Die Wandlung der Tyler Ann Endicott

Gefährliche Brandung kam 1991 in die Kinos
Gefährliche Brandung kam 1991 in die Kinos

Der Film Point Break (dt. Gefährliche Brandung) erschien im Jahr 1991. Der Charakter der Tyler Ann Endicott, gespielt von Lori Petty, ist dabei bedeutend. Dieser Film ist besonders interessant, weil die Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow – also eine Frau – Regie führte.
Hierbei soll wieder so vorgegangen werden, dass lediglich der Charakter der genannten Darstellerin näher betrachtet wird, nicht aber der ganze Film. Auch bei der Rolle der Tyler lässt sich eine Wandlung feststellen, welche jedoch wesentlich abrupter stattfindet. Deshalb soll die Analyse in zwei Teile aufgeteilt werde (vor der Wandlung, nach der Wandlung). Liebe

Vor der Wandlung

Der FBI-Agent Johnny – gespielt von Keanu Reeves – muss berufsbedingt surfen lernen, um einer Gruppe von Bankräubern auf die Spur zu kommen, welche in der Surfszene eingeordnet werden. Bei seinen ersten Surfversuchen droht er zu ertrinken und wird von Tyler, einer ambitionierten Surferin, gerettet. Sobald er dank ihr am Strand in Sicherheit ist, beschimpft sie ihn mit dem Worten „Wenn du dich umbringen willst, geh woanders hin!“ und springt wieder ins Wasser. Johnny ruft ihr noch seinen Namen hinterher, doch ihre Reaktion bleibt genervt („Das interessiert mich einen feuchten Dreck!“). Darauf folgt eine Szene, in welcher man sie surfen sieht. Interessant ist an dieser Stelle, dass der Mann von der Frau gerettet und danach abgewiesen wird. Hier erfolgt also zunächst eine semiotische Annäherung, jedoch konträr zu der in Gidget. Die Frau wird als stark, aggressiv und aktiv dargestellt, während der Mann hilflos ist und bettelt.

Nach dem ersten Zusammentreffen am Strand beobachtet Johnny wie sich Tyler umzieht. Sie sieht nach wie vor sehr stark aus, doch sind die Aufnahmen auch aufreizend gestaltet und der Mann schaut zu. Dies beruht auf der essentialistischen Definition der Sexualisierung des Weiblichen. Der Mann wird zum Voyeur, während die Frau ihren Körper zur Schau stellt

Mit Hilfe ihres Nummernschildes und der FBI-Datenbank findet Johnny mehr über Tyler heraus. Sie hat bereits eine Verwarnung wegen Exhibitionismus und wegen unsittlicher Zurschaustellung in einem fahrenden Auto. Ein Kollege von Johnny sagt daraufhin: „Das soll dein Surfkontakt sein? Ein Weibchen?“, während eine Kollegin das gerade Gelesene mit „Heiß, wirklich heiß.“ kommentiert. Zudem erfahren die Kommissare, dass Tyler ihr Eltern in einem Autounfall verlor. Die Vorstellung des Charakters ist somit erfolgt und Tyler scheint wild, unabhängig und selbstbewusst zu sein. Die Geschlechtskonstruktion erfolgt somit eindeutig gegen gängige Klischees, was jedoch im Film auch behandelt und hervorgehoben wird. Die Bezeichnung als „Weibchen“ zeigt, dass Tyler mit ihrer aktiven und provozierenden Art nicht den Normalvorstellungen einer Frau entspricht.

Ab an den Strand.
Ab an den Strand.

Johnny versucht nun die junge Frau davon zu überzeugen, ihm Surfunterricht zu geben. Dafür besucht er sie in der Strandbar, in welcher sie arbeitet. Sie reagiert jedoch wieder abweisend. Der Satz „Wieso lernst du nicht Tischtennis?“ ist besonders interessant, da sie ihm damit zeigt, dass sie ihm das Surfen nicht zutraut und in ihm einen Schwächling sieht. Diese Szene ist zu vergleichen mit der Szene, in welcher Gidget ein Surfbrett kaufen möchte. Auch Johnny schafft es, Taylor zu überreden, in dem er ihr von seinen angeblich verstorbenen Eltern erzählt und damit ihre Aufmerksamkeit gewinnt. Trotzdem macht sie ihm deutlich, dass sie eigentlich wenig Interesse hat, ihn zu treffen und sagt: „Kommst du auch nur eine Minute später, bin ich weg. Und noch eins Cowboy, bilde dir ja keine Schwachheiten ein. Ich zeige dir die Tricks, die ich kenne und dann macht jeder sein Ding, klar?“ An dieser Stelle des Films nimmt die Frau eindeutig die Rolle ein, welche im Gidget-Film von den Männern eingenommen wurde

So bringt Tyler dem FBI-Agenten, welcher sich als Anwalt ausgegeben hat, am nächsten Tag das Surfen bei. Sie dirigiert ihn in militärischer Manier bis sie schließlich im Wasser beginnen, entspannter miteinander umzugehen. Johnny lernt sehr schnell und beide freunden sich an. Als Johnny auf einen anderen Surfer aufmerksam wird, erklärt Tylor, dass dies Bodhi ist, welcher noch verrückter sei als Johnny. Bodhi kommt herüber und küsst Tyler. Eifersüchtig fragt er sie: „Sag mal, wer ist denn das? Mein Nachfolger, oder was?“ Doch Tyler bleibt die starke unabhängige Frau und erwidert „Verhörst Du mich, oder was?“. Doch trotz dieser Unabhängigkeit wird deutlich, dass Tyler (von ihr so bezeichnete) verrückte Männer um sich sucht.
Abends am Strand spielt die Surfer-Gruppe, zu welcher Bodhi und Tyler gehören, American Football. Tyler spielt als Frau wie selbstverständlich mit.

Nach der Wandlung

Einige Tage später geht Johnny mit Tyler zu einer Party der Surfgruppe. Bodhi sieht die beiden und sagt zu Johnny: „Sei vorsichtig Bruder, sie ist ‘ne Wilde. Fühl dich wie zu Hause – gute Freunde teilen alles!“ Dieser Spruch zeigt deutlich, dass Tylers Verhalten noch nicht das Standartverhalten von Frauen in der Zeit widerspiegelt. Außerdem werden Frauen immer noch als Besitz der Männer angesehen, welcher geteilt werden kann. Tyler sagt später an dem Abend: „Nur Macho-Arschlöcher mit Todessehnsucht fegen so durch die Brandung!“, was ihre emanzipierte Haltung widerspiegelt, sie gleichzeitig aber auch in das Rollenklischee der – im Vergleich zu den Männern – ängstlichen und vorsichtigen Frau einordnet. Somit werden Genderrollen sowohl semiotisch als auch normativ definiert. Sie ist genervt von den Männern und geht davon.

Die Rolle der Frau in Surffilmen.
Die Rolle der Frau in Surffilmen.

Später warnt sie Johnny vor Bodhi, was sie wieder als die eher ängstliche Frau dastehen lässt. Bodhi bekommt das mit und weist sie in die Schranken: „Johnny braucht keine Tipps von dir. Hab ich Recht?“ Es zeigt sich, dass in der Beziehung zwischen Tyler und Bodhi der Mann eindeutig der dominantere Teil ist. Noch in derselben Nacht gehen alle zusammen surfen und Tyler und Johnny küssen sich das erste Mal.

Auffällig ist, dass Bodhi immer Johnny davon unterrichtet, wenn sie etwas unternehmen wollen oder die Wellen gut sind. Johnny ist ganz neu in der Gruppe und wird trotzdem eher als Gruppenmitglied angesehen als Tyler.

Johnny, welcher nebenbei noch immer nach den Bankräubern unter den Surfern sucht und mittlerweile Bodhi und seine Freunde verdächtigt, kommt nach einer Schießerei und Verfolgungsjagd mit den maskierten Räubern verwundet zu Tyler nach Hause. Er erzählt ihr etwas von einem Unfall und Fahrerflucht und sie glaubt ihm diese Geschichte. Tyler umsorgt Johnny, ist für ihn da und pflegt ihn. Damit erfüllt sie das Rollenklischee der sorgenden Frau, die zu Hause auf ihren Mann wartet und sich um ihn kümmert. Sie ahnt jedoch, dass Johnny ihr etwas verheimlicht. Hier zeigt sich ihre emotionale Intelligenz, welche auch oft der typischen Frau zugeschrieben wird. Tylers Charakter entspricht somit immer noch der normativen Definition von Weiblichkeit. Johnny versucht, sich ihr gegenüber zu öffnen, schafft es jedoch nicht und sie akzeptiert die Unwissenheit.

Gender, Sport und Surfen
Gender, Sport und Surfen

Einige Tage später findet Tyler nachts jedoch Johnnys FBI-Marke und ist erbost. In der Wut droht sie, ihn zu erschießen, schießt jedoch lediglich daneben. Sie läuft weinend weg und lässt den noch immer verletzten Johnny zurück, welcher versucht, sie über das Telefon zu erreichen. Ihre Enttäuschung und Wut ist an dieser Stelle besonders spannend, da sie die ganze Zeit wusste, dass ihr Partner ihr was verheimlicht. Zudem wird sie zu Beginn als Teil der Surfgruppe vorgestellt, welche eindeutig Hippiezüge hat und keine festen Beziehungen beinhaltet. Nun will Tyler aber plötzlich absolute Offenheit und Zweisamkeit. Diese Wandlung macht deutlich, dass aus der unabhängigen selbstbewussten Frau eine abhängige, unsichere Frau geworden ist.

Während Johnny von der Surfer-Gruppe mitgenommen wird, welche mittlerweile mitbekommen hat, dass er ein FBI-Agent und ihnen als Bankräuber auf den Spuren ist, erfährt er, dass Tyler entführt wurde. Er wird damit erpresst, dass er einen Bankraub mit ausführen muss, damit Tyler nichts passiert. Auch hier zeigt sich deutlich der Wandel, dass jetzt Johnny seine Freundin retten muss und nicht wie zu Beginn die Frau den Mann. Die semiotische Abgrenzung von Mann und Frau entspricht wieder der, die auch schon in Gidget dominiert.
Letzten Endes treffen beide sich in einer Wüste wieder, in der sie ausgesetzt werden und fallen sich in die Arme.

Tyler Ann Endicott im historischen Rahmen

Im Zuge der Analyse wurde besonders deutlich, dass die Szenen zwischen Tyler und dem männlichen Protagonisten Johnny zu Beginn des Films so inszeniert sind, dass sie konträr zu den Szenen in Gidget verlaufen. So ist es in Point Break die Frau, welche den männlichen Surfanfänger retten muss und der Mann, der um Aufmerksamkeit und Zuneigung bettelt. Dies findet am Strand – also im öffentlichen Raum – statt. Sobald die beiden Charaktere sich jedoch näher kommen und eine private Beziehung aufbauen, ändert sich dieses Verhältnis und die emanzipierte Tyler verfällt in traditionelle Rollenmodelle und wird von Johnny emotional und später auch körperlich abhängig und er muss sie retten. In den historischen Kontext passt dies sehr gut hinein, wurde doch dargelegt, dass die Emanzipation der Frauen vor allem im privaten Raum – also in der Partnerschaft und in der Familie – ihre Grenzen findet und dort immer noch Wert auf das traditionelle Rollenbild gelegt wird.

Surfen steht für Freiheit - doch für alle?
Surfen steht für Freiheit – doch für alle?

Tyler wird zunächst als sehr starke und emanzipierte Frau dargestellt. Damit ist sie jedoch auch im Film etwas Besonderes und wird zum Beispiel als „eine Wilde“ bezeichnet. Dies macht deutlich, dass Tylers Verhalten nicht das mehrheitliche Verhalten der Frauen in der fiktiven Filmgesellschaft widerspiegelt und einen besonderen, „wilden“ Charakter hat. So spielen andere weibliche Charaktere kaum eine Rolle, werden als Tänzerinnen auf der Party oder als Sekretärin beim FBI dargestellt. Alle intellektuellen Aufgaben werden von Männern übernommen, sowohl die Bankräuber sind alle männlich als auch die FBI-Agenten. Tyler gehört zwar zu der Surfgruppe, scheint aber nie etwas von den kriminellen Machenschaften mitbekommen zu haben. Hier zeigt sich, dass Anfang der 90er Jahre selbst eine als extrem emanzipiert auftretende Frau nicht als gleichberechtigt galt. Auch die Tatsache, dass Bodhi sich bei gutem Wellengang immer nur an Johnny und nicht an die Frau wendet, bestätigt das.

Tylers aktiven, starken und unabhängigen Züge, welche im Laufe des Films schwächer werden, lassen sich anhand der vorhergehenden theoretischen Grundlage erklären. So heißt es, dass sportlichen und starken Frauen männliche Züge zugesprochen werden, um das Ideal der Männlichkeit aufrecht zu erhalten. Tyler wird etwa auch vorwiegend zu Beginn des Films surfend gezeigt, während sie – sobald sie eine weiblichere Rolle annimmt – weniger sportlich dargestellt wird. Die Frau gilt nach wie vor als Besitzstück des Mannes, welches im Falle Bodhis unter Freunden auch geteilt wird.
Es zeigt sich also, dass die Emanzipation der Frauen in den 90er Jahren vor allem oberflächlich erfolgte, sich aber noch nicht im Privatleben von Einzelpersonen durchsetzen konnte.

Ein Wandel der Darstellung der Frau in Surffilmen?

Die Analyse des Charakters der Gidget aus dem gleichnamigen Film sowie des Charakters der Tyler aus dem Film Point Break sollen uns nun helfen, die eingangs gestellten Fragen zu beantworten.
Die Rolle der Gidget wird zunächst als „andersartig“, wenig weiblich und sehr stark dargestellt. Im Laufe der Handlung lernt das junge Mädchen jedoch, sich anzupassen und entspricht dabei mehr und mehr dem traditionellen Rollenbild der Frau der späten 1950er Jahre. Auch der Charakter der Tyler macht eine Wandlung in Point Break durch. Zunächst unnahbar, stark und emanzipiert, macht sie sich immer mehr von ihrem männlichen Gegenpart abhängig und verfällt den traditionellen Ideen von Weiblichkeit.

Surf's Up
Surf’s Up

Es zeigt sich, dass der Film von 1959 eine sehr ähnliche Konstruktion von Weiblichkeit vornimmt wie der Film von 1991. In beiden Fällen werden die Hauptcharaktere als stark und selbstbewusst dargestellt. Das Happy End setzt jedoch eine Unterordnung der Frau von dem Mann und traditionellen Rollenmodellen voraus

Interessant ist, dass die Filme sehr gut mit den jeweiligen historischen Wandlungen und Errungenschaften der Emanzipation einhergehen und sie widerspiegeln. Der theoretische Teil der historischen Entwicklung zeigt, dass Frauen in den 1990er Jahren zwar sehr viel selbstständiger und unabhängiger leben, von Gleichberechtigung jedoch noch nicht die Rede sein kann. Der Unterschied zwischen den 1950er und den 1990er Jahren ist somit vorhanden, wenn jedoch weniger gravierend als erwartet.

Die Analyse hat ergeben, dass die historischen Entwicklungen sehr gut in den beiden untersuchten Surffilmen abgebildet werden und die Emanzipation sich bis in die 90er Jahre noch nicht vollständig in der Gesellschaft durchgesetzt hat. Tyler tritt zwar zunächst sehr viel stärker und freier auf als Gidget, welche von vornherein sehr unselbstständig und abhängig ist und sich sehr viel mehr Freiheit erkämpfen muss. Dennoch ist dieser Unterschied viel weniger gravierend als erwartet und die mediale Abbildung der Frau ähnelt sich zum Teil sehr.

Und jetzt los in die literarischen Fluten!
Und jetzt los in die literarischen Fluten!

Literaturverzeichnis

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Filmverzeichnis

Gidget, 1959, Paul Wendkos, Columbia Pictures.
Point Break, 1991, Kathryn Bigelow, 20th Century Fox (USA), Pathé (UK).

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